Ich bin dann mal weg! Von Wien nach Spanien, New York und wieder zurück

  • Melissa Masovic und Marlene Katzlberger

Ich bin dann mal weg! Von Wien nach Spanien, New York und wieder zurück

London, New York, Paris oder Kopenhagen? Die Motive für einen Auslandsaufenthalt sind vielfältig. Die einen wollen ihre Sprachkenntnisse verbessern und Pluspunkte für ihren Lebenslauf sammeln, die anderen neue Länder und Kulturen kennenlernen sowie internationale Freundschaften knüpfen. Gerade die Studienzeit bietet einen guten Zeitpunkt, um ins Ausland zu gehen, denn die meisten Unis haben Programme dafür. Ein Praktikum im Ausland bietet eine ideale Gelegenheit, um Arbeitserfahrungen zu sammeln, Einblicke in eine andere Arbeitskultur zu bekommen und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben.

Wie ist es für ein Semester oder für ein Praktikum ins Ausland zu gehen? Die WU-Studentinnen Melissa Masovic und Marlene Katzlberger haben diesen Schritt gewagt und erzählen von ihren Erfahrungen in Spanien und den USA.

Auslandssemester in Valencia

BWL-Studentin Melissa Masovic verbrachte das Wintersemester 2016/17 in Valencia, um dort ein Auslandssemester zu absolvieren. Möglich gemacht hat es ihr das Erasmus-Programm. Der Auslandsaufenthalt war ihr großer Wunsch, dennoch war der Anfang in Spanien eine Umstellung. Vor dem Auslandssemester hat Melissa bei ihren Eltern gewohnt, nun musste sie sich selbst eine eigene Unterkunft organisieren. „Ich habe mir gedacht, ‚Oh Gott, was habe ich mir eigentlich angetan?‘ Ich wohnte in einem Hostel, kannte niemanden und die Tourist/innen, die ich am Strand ansprach, waren nicht besonders interessiert an einem Gespräch“, erzählt die 23-Jährige. Wenige Tage nach ihrer Ankunft fand sie jedoch eine WG mit drei Italienern und konnte so erste Kontakte knüpfen. „Der größte Benefit des Aufenthalts war, einfach aus der Komfortzone rauszukommen. Zuhause hatte ich meine Freund/innen aus der Schulzeit und kein großes Interesse, neue Menschen kennenzulernen. In Valencia musste ich das, sonst wäre ich allein geblieben.“ Dafür lernte sie intensiv Spanisch, was ihr auch an der Universität nützlich war. „Ich bin in einen Kurs reingekommen, der auf Valenciano (Anm.: Varietät des Katalanischen) war. Ich habe der Professorin dann auf Spanisch gesagt, dass ich sie nicht verstehe. Das hat mich Überwindung gekostet.“

Chaotisch, aber herzlich in Spanien

Die Studienbedingungen in Spanien empfand Melissa als chaotisch. Der BWL-Studentin fehlte eine ausführliche Einführung an der Universität und die Anmeldung zu den Kursen lief unorganisiert ab. Positiv empfand sie den Austausch und den Umgang unter den Studierenden: „Die spanischen Student/innen interessierten sich wirklich für uns Erasmus-Leute, unsere Kultur und wollten uns kennenlernen. Dadurch fühlte sich alles freundlicher und persönlicher an.“

Praktikum in New York

Marlene Katzlberger studierte an der WU Wien Internationale Betriebswirtschaft. Ihr Studium hat sie bereits in der Vergangenheit für vier Monate nach Hongkong geführt. Im September 2016 begann sie dann ein einjähriges Praktikum bei einer New Yorker Beratungsfirma. Im Vergleich zu ihrem ersten längeren Auslandsaufenthalt war es dieses Mal jedoch anders. Es gab kein studentisches Netzwerk und keine Orientierungstage wie an der Uni. „Es war viel tougher. Es gab in der Firma nur mich, meinen Chef und eine andere Praktikantin, die aber nach einer Woche ging. Ich war anfangs viel alleine“, erzählt die 25-Jährige. Selbst mit der Familie zu telefonieren war eine zeitliche Herausforderung. Wenn sie um 18 Uhr nach Hause kam, war es in Österreich bereits Mitternacht.

Casual in den USA

Für die IBWL-Studentin Marlene bedeutete der Arbeitsalltag in New York keine große Umstellung, da ihr Chef Österreicher war. Einige Unterschiede hat sie allerdings bemerkt: „Wenn ich mit Executives von großen Firmen E-Mail-Kontakt hatte, lief das immer sehr casual ab, viel informeller als bei uns. Man merkt die Hierarchie dadurch nicht. Außerdem habe ich über meine amerikanischen Mitbewohnerinnen mitbekommen, dass in den USA zwar viel, aber nicht so effektiv gearbeitet wird.“

Gelernt hat die gebürtige Oberösterreicherin trotz anfänglicher Schwierigkeiten dennoch viel: „Ich habe gemerkt, dass ich nicht so gut im Networking bin und das verbessern muss. Ich habe gelernt, Leute einfach anzusprechen. Ein neues Umfeld ist auch eine Chance, sich neu zu präsentieren.“

Und was bleibt?

Marlene hat es in New York so gut gefallen, dass die erste Zeit zurück in Wien schwierig war: „Ich habe mir jeden Tag gedacht, ich muss zurück, ich halte es hier nicht aus. Irgendwie war alles so klein, es war nichts los. Wenn du in New York außerhalb wohnst, wie in Queens, ist trotzdem noch ein Leben da. Du kannst in irgendwelche Bars gehen, die Restaurants haben lange offen. Das ist in Wien nicht so“, berichtet die IBWL-Studentin.  

Für beide waren Spanien, Hongkong und die USA erst der Anfang: Melissa möchte im Master-Studium noch für ein Semester nach Südamerika gehen. Marlene plant den kompletten Master in Belgien oder Skandinavien zu absolvieren. Die Bewerbungen dafür hat sie bereits abgeschickt.

Was bringt ein Auslandsaufenthalt?

Trotz vieler Herausforderungen möchten die beiden WU-Studentinnen die Zeit im Ausland nicht missen und empfehlen ihren Kommiliton/innen diese Möglichkeit wahrzunehmen: „Man lernt etwas über andere Kulturen, aber auch über sich selbst. Dazu hat man danach Freund/innen auf der ganzen Welt“, meint Marlene. Zusätzlich ist es während des Studiums viel einfacher ins Ausland zu gehen. Benötigt man ein Visum, wird dieses über die Uni organisiert. „Im Lebenslauf macht sich der Aufenthalt auch gut“ ergänzt Melissa. Wer eine Zeit lang im Ausland lebt, verbessert nicht nur seine Sprachkenntnisse, sondern erwirbt auch eine Reihe an Soft Skills. Dazu zählen zum Beispiel Organisationstalent oder die Fähigkeit, außerhalb der gewohnten Umgebung Beziehungen aufzubauen.

Tipps:
Lies hier weiter: Sind Auslandserfahrungen ein Muss-Kriterium beim Bewerbungsprozess?
Mehr Informationen zum Studium im Ausland gibt es hier.

 

Fotos: Cochic Photography

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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Von |2018-09-13T16:41:26+00:0016. Juli 2018|Wohin|0 Kommentare

Über den Autor:

Brigitte Kuchenbecker
Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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