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Was bedeutet Glück im Job? Welche Rolle spielt die Work-Life-Balance? Welche das Gehalt? Wir haben uns mit den WIRE- und BW-Studierenden Diana und Fabian über das Thema „Karriereträume vs. Realitätscheck“ unterhalten.

Wann seid ihr im Job glücklich?

Diana: Da spielen für mich mehrere Faktoren mit. Zum einen möchte ich das Gefühl haben, dass ich im Unternehmen etwas bewirken kann. Zudem ist Abwechslung im Sinne von Jobrotation für mich von Bedeutung – ich möchte verschiedene Tätigkeiten ausüben. Auch sollten meine Werte und die des Unternehmens zusammenpassen. Wenn ich zum Beispiel eine Familie gründen möchte, dann sollte das Unternehmen familienfreundliche Arbeitszeiten haben oder die Möglichkeit anbieten, im Homeoffice zu arbeiten. Natürlich ist es okay, wenn man ab und zu Überstunden machen muss oder mal länger im Büro bleibt, aber das sollte kein Dauerzustand sein.

Fabian: Für mich ist definitiv das Arbeitsklima Nummer 1. Die Kolleg/innen und auch die Vorgesetzten sollten harmonieren. Man sollte keine Angst haben, einen Fehler zu machen. Was definitiv nicht so relevant für mich ist, ist die Höhe des Gehaltes. Natürlich sollte man in der Lage sein, einen gewissen Lebensstandard zu halten. Das Gehalt darf aber nicht die alleinige Basis für die Berufswahl sein. Des Weiteren sind mir Wertschätzung und Räumlichkeiten, in denen man sich wohlfühlt, wichtig. Sonnenlicht ist zum Beispiel hilfreich – damit fühlt man sich gleich viel besser.

Was ist euer Traumjob?

D: Ich möchte gerne Anwältin werden. Ich finde es sehr spannend, einen Sachverhalt zu bearbeiten. Dabei muss ich immer zuerst herausfinden, was die wichtigen Details sind und was weggelassen werden kann. Viele Mandant/innen befinden sich in einer Ausnahmesituation, in der sie wirklich Hilfe brauchen und emotional aufgewühlt sind. Da ist man auch ein Stück weit Psychologin und muss sich einfühlen, um auf sie eingehen zu können.

F: Ich arbeite schon seit vielen Jahren in einer Hochzeits- und Seminar-Location mit angeschlossener Gastronomie. Diesen Betrieb werde ich einmal übernehmen können. Wenn ich dann meinen Mitarbeiter/innen ein guter Chef sein kann und die Kund/innen bestmöglich zufriedengestellt werden, habe ich meinen Traumjob gefunden.

Wann spürt ihr einen Flow bei der Arbeit?

F: Für mich ergibt sich ein Flow, wenn viele Kund/innen bei uns sind und man eigentlich glauben könnte, es geht alles drunter und drüber. Wenn ich dann aber den Überblick behalte und das Team harmoniert, weil jede/r die Arbeitsweise der anderen in- und auswendig kennt, verliere ich das Zeitgefühl. Der Flow lässt die Zeit verfliegen.

D: Mein Flow stellt sich ein, wenn ich eine Aufgabe habe, die mich weder unter- noch überfordert, und ich mich voll darauf konzentrieren kann. Dann blende ich alles um mich herum aus und sehe am Ende hoffentlich ein Ergebnis, das mich zufriedenstellt. Ich denke, wenn ich Anwältin bin, kann ich das einsetzen, um mich zu 100 Prozent auf einen Fall zu konzentrieren und ihn zu lösen. Wenn der Fall dann geschafft ist, bin ich auch motiviert, gleich mit der nächsten Aufgabe weiterzumachen.

Meint ihr, ist es wichtig, auf dem Weg zum Traumjob verschiedene Arbeitgeber auszuprobieren?

F: Bei meinem Traumjob ist es klar, dass ich vorhabe, langfristig in diesem Betrieb zu bleiben. Selbst wenn das nicht der Fall wäre: Ich denke, es ist von Vorteil, länger in ein und demselben Unternehmen tätig zu sein. Nur so kann man richtig Erfahrungen sammeln. Wenn man zum Beispiel nur 2 Monate bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist, hat man nach dem Onboarding noch gar nicht richtig angefangen und ist schon wieder weg. Die Möglichkeit, das Unternehmen in all seinen Facetten kennenzulernen, hat man dann leider nicht.

D: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wohin mich der Weg führt, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich gerne eher längerfristig bei einem Unternehmen bleiben.

Und wie sieht es mit Arbeiten im Ausland aus? Ist das für eure Traumkarriere von Bedeutung?

D: Ich sehe darin die Möglichkeit, sehr spannende und lehrreiche Erfahrungen zu sammeln. Ich könnte mir vorstellen, für ein Jahr oder länger im Ausland zu arbeiten, um dort einen Auftrag für meinen Arbeitgeber zu erfüllen. Auf Dauer ziehe ich es aber vor, in Wien zu bleiben, da die Stadt für mich eine hohe Lebensqualität hat.

F: Man lernt so viele unterschiedliche Kulturen kennen und kann sprachliche Skills verbessern bzw. neu erlernen. Interkulturelle Kompetenzen sind heutzutage sehr gefragt. Das merkt man schon im Studium. Für mich wäre ein Auslandsaufenthalt eine Alternative zu meinem derzeitigen Plan für die Zukunft.

Nun der Realitätscheck: Wo, glaubt ihr, könnte es Herausforderungen geben?

D: Ich sehe Probleme bei der Work-Life-Balance. Da mein Traumjob Rechtsanwältin ist, kann es durchaus passieren, dass am Freitagabend ein Fall reinkommt, der am Montag in der Früh fertig sein muss. Hier braucht es echtes Interesse, um sich reinzuhängen und Nachforschungen anzustellen. Wenn mir das keinen Spaß macht, wird daraus kein Traumberuf.

F: Ein guter Vorgesetzter zu sein ist schwer, denn man kann es nie allen recht machen. Außerdem ist es oft nicht leicht, nach der Arbeit abzuschalten. Ich merke schon jetzt, dass ich in der Prüfungsphase häufig auch an die Arbeit denken muss bzw. in der Arbeit Gedanken an das Studium auftauchen.

Meint ihr, man sollte alles daransetzen, den „perfekten“ Job zu bekommen? Oder hilft auch ein Plan B?

F: Man sollte ein großes Ziel für die Zukunft haben und jetzt im Moment versuchen, sein Bestes zu geben, um es auch zu erreichen. Aber man sollte nicht alles daran aufhängen und davon ausgehen, dass bei Nichterreichen das Leben vorbei ist. Eine Alternative im Hinterkopf zu haben kann den Stress reduzieren. Bei mir wäre das der Auslandsaufenthalt.

D: Für mich muss am Ende die Bilanz stimmen. Hinter der Traumkarriere steht ein großer Druck, dem man standhalten muss. Wenn er zu viel wird, kann das zu Burn-out oder Depressionen führen. Ich glaube nicht, dass der Job es wert ist, die Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Habt ihr abschließend noch einen Tipp für die Suche nach dem Traumjob?

F: Man sollte dankbar für den Job und die Chancen sein, die man bekommt. Oft schaut man nur auf das, was nicht funktioniert hat, aber ich finde, der Fokus muss auf den positiven Aspekten liegen. Wenn man Dankbarkeit und positives Denken auch gegenüber den Kolleg/innen zeigt, geht vieles leichter.

D: Das stimmt. Außerdem: Wie Fabian anfangs erwähnt hat, darf man sich in seinen Entscheidungen nicht nur von der Höhe des Gehalts lenken lassen. Man muss sich die Frage stellen: Wo liegen meine Stärken und welche Tätigkeiten machen mir Spaß, auch ohne dass ich dafür bezahlt werde? Damit kann man Demotivation und schlechter Laune im Job gut entgegenwirken.

 

Das Interview wurde von Martina Gröller, seit Frühling 2019 neben ihrem Studium bei uns im WU ZBP Career Center beschäftigt, geführt.