Bild: © Cochic Photography
Wien, 9. Bezirk. Direkt an der Josefstädter Straße liegt das Kosmetikstudio „Beauty Cleanique“. Der Schritt in das Studio ist, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Der typische Stadtlärm verstummt. Es wird leise. Die zartrosa Wandfarbe, die perfekt abgestimmte Dekoration – eine Mischung aus orientalischen und modernen Akzenten – und die entspannende Hintergrundmusik sorgen für Ruhe und Gelassenheit. Inhaberin Maram Lejri kommt mit einem breiten Lächeln auf mich zu. Im Eingangsbereich, mit Blick auf das ganze Studio, starten wir unser Gespräch.
Du hast an der WU studiert, hast dann eine Karriere im Consulting gestartet und bist jetzt Besitzerin eines Kosmetikstudios. Wie kam es dazu?
Meinen Eltern war es immer wichtig, dass ich studiere. Und da man mit einem Betriebswirtschafts-Studium bekanntlich nichts falsch machen kann und ich schon immer mit dem Gedanken gespielt hatte, mich irgendwann selbstständig zu machen, fiel die Wahl auf die WU. Nach meinem Abschluss habe ich vorerst den „typischen“ Karriereweg eingeschlagen: zuerst im Consulting bei Deloitte und dann bei der Erste Bank. Aber ich spürte schon damals: Eigentlich ist das nicht das Richtige für mich. Corona war letztendlich ein Wendepunkt: Unsere Stunden wurden reduziert und so fand ich Zeit für einen berufsbegleitenden Kosmetikkurs …
Das hört sich nach einer sehr intensiven Zeit an. Warum genau eine Kosmetikausbildung?
Ich habe mich immer schon für Kosmetik begeistert. Schon mit 16, 17 Jahren träumte ich davon, ein Kosmetikstudio zu eröffnen, in dem natürliche, pflanzliche Produkte im Mittelpunkt stehen – inspiriert von dem Wissen unserer Vorfahren, die sich schon damals die beste Haut mit der Kraft der Natur schenkten. Da hat mir der Lockdown eigentlich in die Hände gespielt. Denn so konnte ich endlich beginnen, mir meinen Traum zu verwirklichen.
War dir damals schon klar, dass du dich gleich mit deinem eigenen Studio selbstständig machen möchtest?
Nach meiner Meisterprüfung war der Wunsch nach dem eigenen Kosmetikstudio größer denn je. Ich wollte unbedingt etwas aus meiner Ausbildung machen! Gleichzeitig lief es aber auch bei der Erste Bank richtig gut – ich war zu dem Zeitpunkt schon Debitorenmanagerin. Also war ich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite musste ich Fixkosten decken und wollte die Sicherheit des Angestelltenverhältnisses nicht verlieren. Auf der anderen Seite wollte ich meinem Herz folgen und mir meinen Traum verwirklichen. Es brauchte viel Mut, aber letztlich habe ich begonnen, Studios zu besichtigen, wirklich viele. Anfangs wusste ich nicht, ob ich zu 100 % dahinterstehen muss oder ob auch 80 oder 90 % reichen, aber bei diesem Studio wusste ich: Okay, das ist es – obwohl die Wände giftgrün waren und es keinen Strom gab. (lacht)
Wie hat dich dein WU Studium auf die Selbstständigkeit vorbereitet?
Natürlich profitiere ich von dem betriebswirtschaftlichen Know-how – meine Buchhaltung mache ich heute zum Beispiel selbst. Aber am meisten haben mich die Disziplin und das Durchhaltevermögen geprägt. Im Studium gibt es Höhen und Tiefen – da heißt es: anpacken und durchtauchen. Genau so funktioniert es mit der Selbstständigkeit.
Welche Schwierigkeiten hattest du bei der Gründung des Studios?
Vielleicht die Zeit und das Geld? (lacht) Meine Arbeit macht mir aber so viel Spaß und ich liebe den Prozess und die Entwicklung so sehr, dass ich nicht so viel über Schwierigkeiten nachdenke. Eventuell waren aber die Zweifel aus dem Umfeld fordernd. Mir wurde oft von der Selbstständigkeit abgeraten. Sätze wie „Bist du dir da ganz sicher?“ und „Tu das lieber nicht“ habe ich schon öfter gehört.
Jetzt hast du dein Studio schon seit eineinhalb Jahren. Welche Entwicklungen gibt es?
Wir wachsen – ich habe jetzt meine ersten Lehrlinge und eine Mitarbeiterin. Am Studio selbst verändere ich auch ständig etwas – vielleicht sieht es hier nächste Woche schon wieder ganz anders aus (lacht). Gleich geblieben ist jedenfalls, dass ich immer noch alles selbst mache und nichts abgebe.
Wie definierst du Erfolg für dich?
Mein Lebensmotto ist: „Das Leben ist ein Witz.“ Man sollte das Leben – und sich selbst – nicht zu ernst nehmen, denn es ist wichtig, einen Mittelweg zu finden. Würde ich das nicht so machen, würde mir einiges im Weg stehen.
Welchen Tipp hast du für WU Studierende?
Bleibt am Ball und schließt das Studium ab. Es zahlt sich auf jeden Fall aus! Egal, ob ihr später im Finanzbereich, in der Unternehmensberatung oder als Selbstständige arbeiten wollt: Ihr werdet das Wissen aus dem Studium anwenden können.
Danke für das Gespräch!
Word-Rap:
Auf eine Insel nehme ich mit: Kann man Essen mitnehmen (lacht)? Ich nehme Essen mit.
Mein Powersong ist: „Viva la Vida“ von Coldplay
Mein letztes Erfolgserlebnis war: mein erster Lehrling
Zu Abend essen würde ich gerne mit: Vera Birkenbihl
Ich in 3 Worten: lustig, organisiert, energetisch