Bild: © Sabri Tuzcu Wun / unsplash

Im Jahr 2019 waren 65 Traineeprogramme auf zbp.at ausgeschrieben. 2020 waren es, natürlich coronabedingt, 28. Die genauen Titel und Beschreibungen sind vielfältig und reichen von ganz allgemeinen Schwerpunkten – „Traineeprogramm“, „Management-Trainee“ oder „Graduate-Programm“ – bis hin zu fachspezifischen Traineeships, z. B. für den HR-, Marketing- oder Sales-Bereich. Hinter jedem ausgeschriebenen Traineeprogramm stehen meist mehrere Einstiegspositionen, da Arbeitgeber in der Regel nicht nur eine/n Trainee suchen, sondern das Programm für mehrere Berufseinsteiger/innen konzipieren.  

Das „Big Picture“ kennenlernen

Doch was ist ein Traineeprogramm eigentlich? Befragt man das PFO-Standardwerk „Personalmanagement-Führung-Organisation“ von Mayrhofer/Furtmüller/Kasper bezeichnet der Begriff Trainees „Hochschulabsolvent/innen, die seitens einer Organisation in die Berufspraxis eingeführt werden sollen“. Es geht um das systematische, strukturierte Kennenlernen eines Unternehmens von der Pike auf – inkl. Aus- und Weiterbildungen „on“ und „off the job“.

Ursula Axmann, Geschäftsführerin des WU ZBP Career Center, führt aus: „In einem Traineeprogramm durchleben junge Mitarbeiter/innen in vorher festgelegten „Job-Stationen“ die verschiedenen Facetten, Abteilungen und Bereiche eines Unternehmens. So erfahren sie das Big Picture des Unternehmens.“

Zukünftige Führungskräfte fit machen

Hinter dem Gedanken eines Traineeprogramms steht unternehmensseitig vorrangig die Ausbildung ihres Managementnachwuchses. Durch die verschiedenen Abschnitte des Programms kann der Arbeitgeber ein breites Auge auf künftige Führungskräfte werfen. Um ein „echtes“ Traineeprogramm von z. B. einem Onboarding-Plan oder einem Praktikum zu unterscheiden, hilft ein Blick auf die Dauer und die geplanten Stationen. Ursula Axmann: „Nicht überall, wo Traineeprogramm draufsteht, ist auch Traineeprogramm drin. Ein gutes Traineeship erkennt man daran, dass bereits im Vorhinein feststeht, wie die einzelnen Stationen aussehen werden. Es gibt einen Plan und Struktur.“

Flexibel. Offen für Neues. Motiviert.

Für angehende Trainees sind Flexibilität, Lernbereitschaft, Motivation und ein solides Maß an Stressresistenz die Schlüssel zum Erfolg. Axmann: „Jede Station in einem Traineeprogramm ist auch immer eine neue Welt, auf die man sich einstellen muss. Auch wohin ein etwaiger Auslandsaufenthalt tatsächlich geht, kann man sich nicht aussuchen. Daher ist Offenheit für Trainees essenziell.“

Denn Trainees nehmen als Führungskräfte von morgen auch eine besondere Stellung im Unternehmen ein. Ursula Axmann erzählt von einem Gespräch, das sie mit einer Trainee in einem Handelsunternehmen geführt hat: „Als Trainee wird man von sehr vielen Personen im Unternehmen gesehen – allein schon deshalb, weil man mehrere Abteilungen durchläuft, aber auch, weil die meisten Mitarbeiter/innen wissen, dass man durch das Traineeprogramm auf ausgewählte Positionen vorbereitet wird. Das ist natürlich eine besondere Rolle – und auch dementsprechend exponiert.“

Auswahlprozess mit besonderem Augenmerk

Wer sich für ein Traineeprogramm interessiert, muss sich auf ein tendenziell vielschichtiges Auswahlverfahren einstellen. Ursula Axmann: „Bewerber/innen sollen sich auf einen intensiven und aufmerksamen Auswahlprozess vorbereiten. Schließlich ist man als Trainee für ein Unternehmen der Managementnachwuchs von morgen und das Programm kostet dem Arbeitgeber wirklich viel Geld. Da möchte er natürlich sicherstellen, die richtigen Kandidat/innen auszuwählen.“

Generalist oder Spezialistin?

Und nach dem Traineeprogramm? „Das ist eine interessante Frage, die man im Vorstellungsgespräch stellen kann: Ist das Ziel des Traineeprogramms eine spezifische Fachkarriere oder eine übergreifende Managementposition?“, meint Ursula Axmann.

Sollte sich das Traineeprogramm übrigens wider Erwarten als nicht passend für einen selbst herausstellen, ist ein Ausstieg in der Regel zwar schade, aber kein Problem. Ursula Axmann: „Wenn es nicht passt, dann passt es nicht. Und dann ist Zeit, sich zu trennen, auch wenn die ursprüngliche Intention eine langfristige war. Für weitere Bewerbungen bei anderen Unternehmen sehe ich keine Schwierigkeiten.“

Karriereziel: Verantwortung übernehmen

Berufseinsteiger/innen, die sich für ein Traineeprogramm interessieren, erwarten vielseitige und abwechslungsreiche Aufgaben mit breitem Know-how-Gewinn. In kurzer Zeit lernt man jede Menge Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen kennen – und baut so zum einen die eigenen Skills, zum anderen das Netzwerk für spätere Projekte aus. Dass es nach einem Traineeprogramm wirklich ins Management gehen kann, beweisen zahlreiche Karrieren – unter ihnen heutiger REWE-Vorstand Marcel Haraszti, der seine Karriere in der REWE Group 2001 als Trainee begonnen hat.

Interessierte sollten Engagement und Offenheit für Neues mitbringen. Die Flexibilität beginnt schon beim Jobeinstieg – denn Traineeprogramme haben festgelegte Startzeitpunkte, die es abzuwarten gilt. Toleranz muss man vielleicht beim Gehalt üben, denn durch die hohen investierten Ausbildungskosten, liegt das tatsächlich ausbezahlte Gehalt mitunter unter dem Marktschnitt.

Ursula Axmann fasst zusammen: Es gibt keine Person, zu der ein Traineeprogramm nicht passt. Insbesondere motivierte Leute, die offen durch ein Unternehmen gehen wollen, sind eingeladen, diesen Jobeinstieg in Betracht zu ziehen.“ Vor allem für Jobeinsteiger/innen, die zwar genügend Biss haben, um bald Verantwortung zu übernehmen, aber noch nicht genau wissen, in welchen Verantwortungsbereich es sie zieht, ist ein Traineeprogramm eine spannende Alternative. „Ein Traineeprogramm hat viele Facetten und ist eine tolle Chance, sich unterschiedliche Verantwortungsbereiche anzuschauen und zu entscheiden, wo man die eigenen Stärken am besten ausleben kann.“

Eine Liste von Unternehmen, die Traineeprogramme für WU Absolvent/innen anbieten findest du im Online-Classroom auf zbp.at.

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit acht Jahren für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin des Blogs beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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