Bild: © Andreas Kowacsik

Die 2 Studentinnen Marina und Hilal haben eine Gemeinsamkeit: Beide haben während ihres Studiums an der WU ein Praktikum absolviert. Hier erzählen sie von ihren Eindrücken.

Marina, 22, hat 2 Monate lang im Projektmanagement bei einem Unternehmen in der Immobilienbranche gearbeitet. Dabei hat sie unter anderem Projektkalkulationen vorbereitet und mit Jurist/innen zusammengearbeitet. Hilal, 24, verbrachte 6 Monate in der Abteilung Serienqualität bei einem Automotivunternehmen. Sie war dafür verantwortlich, sich um Reklamationen in der Produktion zu kümmern und beispielsweise Ersatzlieferungen für Teile, die nicht den Qualitätsstandards entsprachen, zu veranlassen.

Der erste Tag

Der erste Arbeitstag ist bei beiden trotz anfänglicher Nervosität recht angenehm verlaufen. „Dadurch, dass mein Praktikum im Sommer begonnen hat, waren viele Kolleg/innen auf Urlaub und es war generell etwas ruhiger im Unternehmen“, meint Hilal. „Ich habe zuerst eine kleine Tour durch das Büro bekommen und durfte die anwesenden Mitarbeiter/innen kennenlernen. Im Anschluss wurden mir meine Aufgaben gezeigt und dann ging es direkt mit der Einschulung los.“

Marinas Aufregung verflog, sobald sie mit dem Team vertraut gemacht wurde. Sie erklärt: „Ich habe mich von Anfang an mit allen gut verstanden. Meine Kolleg/innen waren sehr zuvorkommend und haben mir bei jeder Frage, die ich hatte, sofort geholfen. Ich glaube, einen besseren Einstieg ins Praktikum hätte ich nicht haben können.“ Konkret wurde ihr am ersten Tag das Unternehmen mit allen Bereichen und ihren zukünftigen Aufgabengebieten genau vorgestellt. Im Anschluss folgten die detaillierten Einschulungen mit jedem/jeder einzelnen Mitarbeiter/in. „Natürlich bekam ich am Anfang klassische Praktikant/innenaufgaben, wie Kopieren. Mit der Zeit sind dann aber der Aufgabenbereich und die Verantwortung gewachsen.“

Mehr oder weniger spannende Aufgaben

Obwohl die 22-jährige „bloß“ Praktikantin war, wurde sie wie ein vollwertiges Teammitglied behandelt. Sie beschreibt das Team als eine kleine Familie. Im Gegensatz dazu berichtet Hilal, dass sie zwar das Gefühl hatte, ein Teil des Teams zu sein, allerdings hat sie hin und wieder zu spüren bekommen, dass ihr als Praktikantin Aufgaben übertragen wurden, die sonst niemand übernehmen wollte.

Nichtsdestotrotz konnte sie während dieser 6 Monate viele Erfahrungen sammeln und sich auf das richtige Berufsleben nach dem Studium vorbereiten. Insbesondere das Übernehmen von Verantwortung und das Vertreten des Unternehmens nach außen haben sie geprägt. Außerdem konnte sie sich viel von ihren erfahreneren Kolleg/innen abschauen, wie zum Beispiel die richtige Umgangsweise mit Kunden oder gängige Formulierungen in der Geschäftskommunikation. Marina fügt hinzu: „Man kann sich nur schwer vorstellen, wie die Theorie, die man auf der Uni lernt, in der Praxis umgesetzt wird. Für mich war es besonders spannend, das, was ich im Studium beigebracht bekommen habe, nun auch aus der praktischen Sicht kennenzulernen.“

Mit Verantwortung umgehen lernen

Als größte Challenge im Praktikum beschreibt Marina, dass sie lernen musste, mit viel Verantwortung umzugehen. „Vor allem, wenn ich gewusst habe, dass die Ergebnisse meiner Aufgaben nicht nur im Unternehmen intern bleiben, sondern auch von Personen außerhalb der Firma einsehbar sind, wollte ich keine Fehler machen.“ Auch den Überblick zu behalten, wenn man in mehreren Computer-Programmen und Datenbanken gleichzeitig arbeitet, hat sich manchmal als Schwierigkeit herausgestellt. Zusätzlich dazu war es für sie nicht immer leicht, herauszufinden, wie sie in bestimmten Situationen mit einzelnen Kolleg/innen umgehen sollte. Schließlich ist jeder Mensch anders und man muss in der Kommunikation bei jeder Person auf etwas Anderes achten.

Hilal hatte mit einer anderen Art von Herausforderungen zu kämpfen. Aufgrund ihrer kaufmännischen Schulausbildung und ihres wirtschaftlichen Studiums fehlte ihr das notwendige technische Know-how. „Ich habe nicht genau verstanden, wie die Maschinen in der Produktion funktioniert haben und mir ist es oft schwergefallen, bestimmte Fehler zu beheben, weil ich eben das dafür vorausgesetzte Hintergrundwissen nicht hatte. Wäre ich in eine HTL gegangen und nicht in eine HAK, wäre mir das sicher leichter gefallen.“

Im Vorstellungsgespräch Motivation zeigen

Trotz allem würde Marina heute nichts anders machen. „Ich bin zufrieden mit dem Ablauf meines Praktikums. Wenn ich bemerkt habe, dass ich etwas besser machen könnte, habe ich das im Endeffekt auch gleich umgesetzt.“ Hilal dazu: „Ich hätte rückblickend mein Gehalt besser verhandeln sollen. Ich habe nämlich im Nachhinein erfahren, dass da noch sehr viel Luft nach oben gewesen wäre. Auch wenn man als Praktikant/in einsteigt, hat man ja schon gewisse Skills und Zertifikate und man ist einzigartig mit all dem, was man gelernt hat. Man sollte sich selbst nicht unterschätzen.“

Beide sind sich einig, dass im Bewerbungsprozess das Vorstellungsgespräch eine große Rolle spielt und eine gute Möglichkeit ist, sich selbst von der besten Seite zu präsentieren. „Ich würde empfehlen, dass man beim Gespräch dem Personalmanager/der Personalmanagerin zeigt, wie viel man bereits über das Unternehmen weiß“, so Hilal. Die 24-jährige konnte im Interview damit überzeugen, dass sie bestens über das Unternehmen informiert war und kann jedem ans Herz legen, sich im Vorhinein die Website des potenziellen Arbeitgebers gründlich anzusehen.

Als besten Zeitpunkt für ein Praktikum nennen uns die Studentinnen den Sommer, da dies am besten mit dem Studium vereinbar sei. Allerdings raten sie auch, sich für Praktika während des Semesters zu bewerben, da man zu dieser Zeit mehr vom richtigen Unternehmensgeschäft erlebe und mitten im Geschehen sei. Ein weiterer Tipp von Hilal ist, am Ende des Vollzeitpraktikums nachzufragen, ob es möglich sei, als Teilzeitkraft im Unternehmen zu bleiben.

Insider-Tipps für den Erfolg

Was können die beiden abschließend anderen Studierenden, die bald ein Praktikum beginnen werden, mitgeben? „Ich würde viel Geduld mitnehmen, denn in einer Arbeitsstätte trifft man auf sehr viele Menschen mit verschiedensten Charaktereigenschaften. Da kann es hin und wieder mal zu Meinungsunterschieden kommen“, meint Hilal.

Marina ergänzt: „Man sollte immer engagiert sein, also nicht mit der Einstellung hingehen, dass man eh nur ein paar Monate da ist. Man weiß nie, was für Möglichkeiten sich einem bieten und auf was für Personen man stößt. Und am ersten Tag sollte man sich lieber etwas schicker anziehen und dann mit der Zeit, wenn man sieht wie die anderen angezogen sind, vielleicht etwas sportlicher oder legerer.“ Zuletzt gibt Marina den Tipp, immer einen Blazer im Büro mitzuhaben, denn ihr hat dieser bereits einmal das Outfit gerettet, als sie spontan zu einer Verhandlung ins Gericht mitgenommen wurde.