Muss ich immer erreichbar sein?

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Muss ich immer erreichbar sein?

Um 16 Uhr verlässt Peter das Büro, um seinen Sohn aus dem Kindergarten zu holen. Danach wird gekocht und gespielt, doch nebenbei hört er das ploppen der eingehenden Nachrichten am Telefon. Richtig abschalten kann er nicht, es könnte ja etwas Wichtiges sein. Florence ist Trainee in der Marketing-Abteilung eines großen Unternehmens und möchte dort ihr Bestes geben. Vielleicht ergibt sich daraus ja eine Fixanstellung. Kurzfristige Arbeitsaufträge und E-Mails am Wochenende lassen sie nur schwer ihr Diensthandy ignorieren.

Für viele Beschäftigte sind Störungen in der Freizeit alltäglich, aber trotzdem unangenehm – ein Drahtseilakt zwischen Engagement fürs Unternehmen, um dem/der Vorgesetzten zu zeigen, wie motiviert man ist und der Notwendigkeit auch mal die Arbeit loszulassen. Schwer oder niemals abschalten zu können, kann schwerwiegende Folgen, wie Unruhe oder Schlafstörungen, haben. Das belastet letztendlich nicht nur den Arbeitnehmer, sondern auch das eigene Umfeld wie die Familie.

Wie sieht es rechtlich beim Thema Erreichbarkeit aus? Wir haben bei Irene Holzbauer, Abteilung Arbeitsrecht der AK Wien, nachgefragt.

Muss ich für meine Firma auch in der Freizeit und im Urlaub erreichbar sein?

Irene Holzbauer: In meiner Freizeit muss ich als Arbeitnehmer/in grundsätzlich nicht erreichbar sein. Das Gleiche gilt für den Urlaub, denn das würde dem Wesen des Urlaubsgesetzes widersprechen.

Wie sieht die Situation während eines Krankenstandes aus?

Wenn es darum geht einen wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abzuwenden, weil dringend Informationen benötigt werden, die ausschließlich Sie haben, dann ist es gerechtfertigt, dass das Unternehmen Sie kontaktiert. Grundsätzlich sind Sie während des Krankenstandes jedoch arbeitsunfähig.

Wann ist die Erreichbarkeit dann gerechtfertigt?

Sie müssen nur dann erreichbar sein, wenn eine Rufbereitschaft außerhalb der Arbeitszeit vereinbart wurde. Darüber hinaus ist die Rufbereitschaft gesetzlich auf maximal zehn Tage pro Monat beschränkt. In manchen Kollektivverträgen ist diese Rufbereitschaft von Haus aus geregelt. Der Kollektivvertrag kann Rufbereitschaft innerhalb von drei Monaten an 30 Tagen festlegen. Auf jeden Fall ist die Rufbereitschaft zu entlohnen, auch diese Höhe ist zu vereinbaren. In manchen Kollektivverträgen ist die Höhe der Abgeltung geregelt. Ist nichts vereinbart, ist ein ortsübliches Entgelt zu zahlen.

Darf ich es ablehnen, in meiner Freizeit oder im Urlaub für das Unternehmen erreichbar zu sein?

 In meiner Freizeit muss ich für das Unternehmen nicht erreichbar sein, außer ich habe Rufbereitschaft vereinbart. Sobald eine Arbeitsleistung erbracht wird, handelt es sich um Arbeitszeit, die mit dem üblichen Stundenlohn und Überstundenzuschlägen zu entlohnen ist.

Hinweise & Tipps zum Thema Erreichbarkeit

  • Feierabend, Wochenende und Urlaub sind kein Luxus, sondern im Arbeitsgesetz geregelt.
  • In der Regel sind Arbeitnehmer/innen nicht verpflichtet, außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein, auch wenn sich viele Beschäftigte insgeheim dazu verpflichtet fühlen. Ausnahmen bestehen bei der Rufbereitschaft.
  • Wer sich schwer tut Arbeits- und Privatleben zu trennen, dem kann es helfen abends das Firmentelefon ausschalten.
  • Rituale einzuführen, wie ein Stückchen zu Fuß nach Hause zu gehen und die Kleidung nach Büroschluss zu wechseln, lassen uns Abstand gewinnen.
  • Wird die Arbeitslast zu groß, verlangt die Chefin oder der Chef permanente Erreichbarkeit, dann ist es an der Zeit ein offenes Gespräch zu führen und klare Grenzen zu ziehen. Coaches können dabei helfen, dieses Gespräch vorzubereiten. Zur beruflichen Professionalität gehört es nämlich auch, einen Ausgleich zum Job zu schaffen!
  • Am besten besprichst du das Thema Erreichbarkeit schon zu Beginn deines Arbeitsverhältnisses.
Sigrid Dworak

Sigrid Dworak

Sigrid ist beim ZBP für den Bereich Kommunikation verantwortlich. Sie bringt langjährige Erfahrung aus dem Medienbereich mit - zum Beispiel durch ihre Tätigkeit als Pressereferentin und Social Media Verantwortliche einer großen österreichischen TV-Station, als Redakteurin bei einem lokalen TV-Sender und als Projektleiterin im Medienbereich.

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Von | 2018-08-21T10:11:12+00:00 21. August 2018|Allgemein, Im Job|0 Kommentare

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Sigrid Dworak
Sigrid ist beim ZBP für den Bereich Kommunikation verantwortlich. Sie bringt langjährige Erfahrung aus dem Medienbereich mit - zum Beispiel durch ihre Tätigkeit als Pressereferentin und Social Media Verantwortliche einer großen österreichischen TV-Station, als Redakteurin bei einem lokalen TV-Sender und als Projektleiterin im Medienbereich.

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