Fringe Benefits – Darf’s ein bisschen mehr sein?

Fringe Benefits – Darf’s ein bisschen mehr sein?

Von Georg Kubina

Mal ehrlich: wer sucht sich seinen Job einzig und allein nach den angebotenen Fringe Benefits aus? Richtig, niemand! Und trotzdem ist das Wissen darüber für deinen Jobeinstieg wichtig und kann deine Gehaltsverhandlungen beeinflussen.

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Bild: ZBP/Jürgen Pletterbauer

Unter dem Begriff Fringe Benefits werden Sachleistungen zusammengefasst, die Unternehmen ihren Mitarbeiter/innen zusätzlich zum Bruttolohn bzw. -gehalt in Form von Waren oder Services zur Verfügung stellen. In den wenigsten Fällen geschieht dies aus reiner Nächstenliebe, vielmehr haben solche Goodies den Zweck z.B. einen Motivationsschub bei Mitarbeiter/innen auszulösen oder die Arbeitgeberattraktivität im Kampf um die Gewinnung hoch qualifizierter Mitarbeiter/innen zu steigern.

Von A wie Auto bis Z wie Zeitausgleich

Ein Blick auf die Entwicklung von Fringe Benefits macht deutlich, dass Arbeitgeber mit ihren Sachleistungen immer auch auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren. Der mit Sicherheit am meisten Aufsehen erregende Vorstoß im Bereich der Benefits stammt aus dem Oktober 2014 aus dem Silicon-Valley: das sogenannte Social-Freezing. Facebook und Apple spendieren ihren weiblichen Mitarbeiterinnen auf Wunsch das bis zu 20.000 Dollar teure Einfrieren ihrer Eizellen. Frauen sollen sich nicht länger zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen, sondern erst das eine, dann das andere haben können, so die Argumentation der Unternehmen. Ob damit die richtige Lösung auf dem Weg zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefunden ist, soll jeder und vor allem jede für sich selbst entscheiden. Außerdem bleibt fraglich, ob Ideen zur Anpassung von Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse der Mitarbeiter/innen nicht viel eher das Prädikat innovativ verdienen. Wer also Kind und Karriere verbinden will, profitiert von betrieblicher Kinderbetreuung, Papamonaten oder Familienzulage in Verbindung mit flexiblen Arbeitszeiten.

Aber nicht nur Beruf und Familie sind beliebte Themen für Fringe Benefits, auch steht die Gesundheitsvorsorge wie z.B. betriebliche Sportprogramme oder Vergünstigungen im Fitnessstudio hoch im Kurs. Zudem gibt es Benefits aus den Bereichen Weiterbildung, betriebliche Altersvorsorge und Zusatzversicherungen genauso wie aus dem Bereich Mobilität in Form von Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel oder Dienstwagen auch zur privaten Nutzung. Ein nicht nur innerhalb der Generation Y beliebtes Thema ist Freiheit und Freizeit nach dem Motto „Tausche Gehaltserhöhung gegen Flexidays, mehr Urlaub oder Sabbaticals!“

Vom Gießkannenprinzip zum Cafeteria-System

Was die Aufzählung deutlich macht, ist zugleich auch die größte Herausforderung für die Unternehmen: Je nach Lebensform und Lebenslage sind die gebotenen Fringe Benefits für die Mitarbeiter/innen mehr oder weniger nützlich. Wie eine von der Unternehmensberatung Kienbaum im November 2014 veröffentlichte Trendstudie über Zusatzleistungen und Flexible Benefits zeigt, bieten nur 16 Prozent der befragten Unternehmen in Österreich ihren Mitarbeiter/innen die Möglichkeit, aus einem ganzen Katalog von Zusatzleistungen die ihren Bedürfnissen entsprechenden auszuwählen. Ebenso gering mit nur 19 Prozent ist die Anzahl der befragten Unternehmen, die angeben, dass sie ihr Zusatzangebot mit den Wünschen ihrer Mitarbeiter/innen abgleichen. Nach Meinung vieler HR-Expert/innen liegt die Zukunft von Fringe Benefits allerdings in sogenannten Cafeteria-Systemen, bei denen jede/r Mitarbeiter/in über eine Art Budget verfügt, das er/sie für individuell zusammengestellte Zusatzleistungen einsetzen kann.

Schaffen einer Win Win-Situation

Doch zurück zur Eingangsfrage. Deinen Traumjob suchst du sicherlich nach anderen Kriterien wie z.B. dem Aufgaben- und Verantwortungsbereich aus. Aber nutze gerade als Berufseinsteiger/in das Wissen um die unternehmensseitig gebotenen Fringe Benefits. Spätestens im zweiten Gespräch wirst du voraussichtlich nach deinen Gehaltsvorstellungen gefragt. Frisch von der Uni kommend ist der Verhandlungsspielraum dabei eher gering. Doch wenn du gezielt nach nichtmonetären Zusatzleistungen fragst, kannst du eine Win Win-Situation schaffen. Ein einfaches Rechenbeispiel dazu: Dir wird ein Bruttomonatsgehalt von 2.200 Euro geboten. Da du mit dem Auto zur Arbeit fährst, benötigst du einen Parkplatz vor Ort, den dir das Unternehmen als Benefit bietet. Der Nettowert liegt bei ca. 60 Euro für den du, wenn du auf die Auszahlung des Gegenwertes bestündest, eine Bruttomonatslohnerhöhung auf ca. 2.315 Euro verhandeln müsstest. Da sich das Unternehmen die zusätzlich daraus entstehenden Lohnnebenkosten aber einspart, gewinnen beide Parteien.

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Georg Kubina arbeitet am ZBP im Bereich Karriereberatung & Employer Relations.

Ursula Axmann

Ursula Axmann

Ursula ist seit einer halben Ewigkeit für das Career Center der WU verantwortlich. Ihr Herz schlägt höher, wenn Sie WU Absolvent/innen trifft, die ihr - oft erst nach vielen Jahren - erzählen, dass sie über das ZBP ihren ersten Job gefunden haben. Mit großem Vergnügen pflegt Ursula freundschaftliche Kontakte zu Top-Career Centers quer durch Europa, um die besten Ideen aus der Karriereberatung an die WU zu holen.

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Von |2018-03-06T09:42:00+02:001. September 2016|Allgemein, Im Job|0 Kommentare

Über den Autor:

Ursula Axmann
Ursula ist seit einer halben Ewigkeit für das Career Center der WU verantwortlich. Ihr Herz schlägt höher, wenn Sie WU Absolvent/innen trifft, die ihr - oft erst nach vielen Jahren - erzählen, dass sie über das ZBP ihren ersten Job gefunden haben. Mit großem Vergnügen pflegt Ursula freundschaftliche Kontakte zu Top-Career Centers quer durch Europa, um die besten Ideen aus der Karriereberatung an die WU zu holen.

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