Im „Alltags-Blues“

Im „Alltags-Blues“

Die ersten Wochen im neuen Job sind vergangen. Sie kennen Ihre Kolleg/innen und Ansprechpartner/innen, die Einschulung ist abgeschlossen. Langsam schleicht sich die Routine ein. Und klammheimlich denken Sie sich: „So toll wie zu Beginn ist es irgendwie nicht mehr…“.

Bild: ZBP/Jürgen Pletterbauer

Der Honeymoon-Hangover-Effekt

Möglicherweise kennen Sie diese Situation – wenn ja, dann geht es Ihnen wie vielen Jobeinsteiger/innen. Und ganz klar: es ist lästig, wenn die anfängliche Euphorie mit der Zeit nachlässt. Aber das Phänomen ist gar nicht so selten, wie auch Markus Latzke von der Interdisziplinären Abteilung für Verhaltenswissenschaftlich Orientiertes Management der WU bestätigt: „Der sogenannte Honeymoon-Hangover-Effekt besagt, dass es unmittelbar nach einem Jobeinstieg zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitszufriedenheit kommt – Honeymoon, die nach einem Jahr wieder klar absinkt – Hangover.“ In anderen Worten: Zuerst fühlt man sich durch die Jobzusage gepusht und freut sich auf neue Herausforderungen, doch nach und nach sinkt die anfängliche Begeisterung und die rosarote Brille wird einem Realitätscheck unterzogen.

Wenn Erwartungen im Weg stehen

Warum ist das so? Wissenschaftler/innen sehen diesen „Alltags-Blues“ durch überspitzte Erwartungen begründet. Wir stellen uns vor, wie etwas zu sein hat, zum Beispiel, dass wir im neuen Job strategische Projekte spielend meistern, dabei aber weder über- noch unterfordert sind. Treten diese Vorstellungen dann nicht ein kommt es zu Enttäuschungen.

Um diese zu vermeiden, sei es ratsam sich vorab ein realistisches Bild vom neuen Job zu machen. Die Forschung von Gabriele Oettingen, Professorin für Psychologie an der New York University und der Universität Hamburg, beschreibet, dass jene Bewerber/innen, die ihre Jobplanung nicht durch die rosarote Brille sahen – „Ich werde in den Vorstand kommen und alle werden mir zujubeln.“ – sondern diese durch eine realistische Vorstellung ersetzten – „Ich freue mich, wenn ich eine Position im Marketing bekomme.“ –den größten Erfolg beim Berufseinstieg hatten.

Und wenn der „Alltags-Blues“ schon da ist?

Eine Realitätsprüfung, die vorab überhöhte Erwartungen zügelt, kann also helfen, dass der „Alltags-Blues“ gar nicht erst (stark) eintritt. Was können Sie aber tun, wenn Sie bereits mitten in der Jobroutine gefangen sind? Dann heißt es: Zurücklehnen, durchatmen und die Gründe dafür suchen. Können Sie Rahmenbedingungen verändern und so Ihre Motivation wieder nähren? Können Sie sich selbst bei der Nase nehmen und erkennen, dass Ihre Erwartungen vielleicht doch zu hoch gesteckt waren? Sie also gerade erst auf dem Weg zu Ihrem Ziel sind?

Markus Latzke: „Frust und enttäuschte Erwartungen gehören wohl zu jedem Beruf dazu. Wer nach jeder ersten Unzufriedenheit einen neuen Job sucht wird nicht lange einen haben.“ Mit einem gewissen Alltags-Blues wird man also ganz klar in jedem Job konfrontiert sein. Mit diesem gilt es umzugehen. Doch natürlich: Ist der Frust gar zu hoch, sollte man sich vor einem Jobwechsel nicht verschließen. Aber dann bitte mit realistischen Erwartungen…

Ursula Axmann

Ursula Axmann

Ursula ist seit einer halben Ewigkeit für das Career Center der WU verantwortlich. Ihr Herz schlägt höher, wenn Sie WU Absolvent/innen trifft, die ihr - oft erst nach vielen Jahren - erzählen, dass sie über das ZBP ihren ersten Job gefunden haben. Mit großem Vergnügen pflegt Ursula freundschaftliche Kontakte zu Top-Career Centers quer durch Europa, um die besten Ideen aus der Karriereberatung an die WU zu holen.

More Posts - Website

Von |2018-03-06T09:39:53+02:006. Juli 2017|Allgemein, Im Job|0 Kommentare

Über den Autor:

Ursula Axmann
Ursula ist seit einer halben Ewigkeit für das Career Center der WU verantwortlich. Ihr Herz schlägt höher, wenn Sie WU Absolvent/innen trifft, die ihr - oft erst nach vielen Jahren - erzählen, dass sie über das ZBP ihren ersten Job gefunden haben. Mit großem Vergnügen pflegt Ursula freundschaftliche Kontakte zu Top-Career Centers quer durch Europa, um die besten Ideen aus der Karriereberatung an die WU zu holen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

zwanzig − 18 =