Interesse führt zu Höchstleistung – Interview mit dem AMS-Vorstand

Interesse führt zu Höchstleistung – Interview mit dem AMS-Vorstand

Schon das ganze Jahr 2018 über bemerken wir eine starke Konjunktur: Täglich über 200 offene Jobs auf zbp.at und 152 Arbeitgeber auf der Career Calling sprechen schließlich für sich. Erfreuliche Entwicklungen, erfreuliche Zeiten. Doch wie sieht die Zukunft aus? Welche Skills werden an Bedeutung gewinnen? Welche Jobs werden weiter nachgefragt werden? Zur Beantwortung dieser Fragen habe ich mich mit AMS-­Vorstand Johannes Kopf getroffen. So viel vorweg: Es bleibt spannend!

Können Sie mir einen kurzen Überblick über die heutige Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage geben?

Nach fünf Jahren Konjunkturschwäche beobachten wir nun einen starken Konjunkturaufschwung mit Wachstumsraten von über drei Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2017, in dem der Zuwachs bereits höher war als prognostiziert, hat sich das Wachstum 2018 noch einmal verstärkt. Das wirkt sich natürlich auch auf den Arbeitsmarkt aus: Ende September 2018 sank die Arbeitslosigkeit gegenüber 2017 um 8 Prozent oder 30.000 Personen, also auf 345.000 Personen inkl. Schulungsteilnehmer/innen. Diese 30.000 Personen haben jetzt mehr Geld als in den Monaten davor. Das unterstützt den Wirtschaftsaufschwung natürlich zusätzlich.

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Akademiker/innen aus?

Auch für Akademiker/innen bringt der Aufschwung mehr Jobangebote mit sich. Die Nachfrage nach Personen mit tertiärem Bildungsabschluss wird weiter steigen – akademische und Wirtschaftsberufe sowie Positionen mit Führungsaufgaben werden noch an Bedeutung gewinnen. Allerdings sinkt bei Akademiker/innen die Arbeitslosigkeit nicht ganz so proportional wie in anderen Bereichen. Das scheint zunächst verwunderlich, ist allerdings dem Umstand geschuldet, dass es heute viel mehr Absolvent/innen als früher gibt. Ein Teil der Statistik ergibt sich auch aufgrund friktioneller Arbeitslosigkeit, also der Sucharbeitslosigkeit zwischen zwei Jobs. Möchte man sich beruflich verändern, dann dauert das natürlich etwas: sei es aufgrund des Bewerbungsprozesses oder weil man nicht gleich das erste Angebot annimmt. Ende September waren rund 29.500 Akademiker/innen arbeitslos, um 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Wirtschaftsakademiker/innen gab es Ende September mit rund 3.400 arbeitslosen Personen einen Rückgang um 4,1 Prozent.

Was halten Sie für wichtiger: Was man studiert oder dass man studiert?

Es ist beides wichtig, aber es muss auch das Dass betont werden. Das AMS ist bestimmt jene Institution, die am meisten Geld für die Erforschung der Frage „Welche Qualifikationen braucht der Markt morgen“ ausgibt. Die nächsten 3 bis 5 Jahre sind noch gut zu prognostizieren, wohingegen niemand weiß, was in 10 bis 20 Jahren sein wird. Dadurch bekommt lebenslanges Lernen eine völlig neue Bedeutung. Eine einfache Formel besagt: je höher das Hirn gebildet ist, umso leichter lernt es. Somit hat man selbst mit einem Altgriechischstudium bessere Chancen am Arbeitsmarkt als ohne Studium. Man lernt bei jedem Studium zu lernen, Informationen zu prüfen, sich zu vernetzen und das Hirn zu trainieren.

Nach welchen Kriterien soll man sein Studium dann wählen?

Der Leidenschaft folgen. Hat man keine eindeutigen Präferenzen, ist ein Studium an der WU im Hinblick auf Jobchancen und Gehalt sicherlich vielen anderen Studienrichtungen vorzuziehen. Doch schlägt das Herz für etwas anderes, dann rate ich jedem, das auch zu wählen. Denn Interesse führt zu Höchstleistung.

Welche Trends werden den Arbeitsmarkt künftig dominieren?

Vor allem Digitalisierung, Ökologisierung, Internationalisierung und Sprachen. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung sagen Prognosen das stärkste Beschäftigungswachstum im hoch qualifizierten Bereich voraus. Das betrifft vor allem Studienrichtungen wie IBWL oder Wirtschaftsinformatik. Aber auch die Erwachsenenbildung wird an Bedeutung gewinnen. Denn Themen wie Digitalisierung und Internationalisierung sind nicht nur wichtig für die Erstausbildung, sondern dringen auch immer mehr in bestehende Berufe ein.

Artificial Intelligence und Robotik als Konkurrenz für WU-Absolvent/innen?

Die Diskussion, ob der technische Fortschritt uns Jobs wegnimmt, ist 200 Jahre alt. Durch Neuerungen sind schon immer Jobs verschwunden und andere dazugekommen. Die Schwierigkeit besteht vielmehr darin: Wie mache ich eine Person, deren Job z. B. durch eine Maschine ersetzt wurde, wieder fit für den Arbeitsmarkt? Das ist ein Thema für die Erwachsenenbildung. Ob die Digitalisierung WUler/ innen also Jobs wegnimmt? Ich glaube, WU­-Absolvent/ innen sind hier bei Weitem weniger gefährdet als andere Personen. Die erforderten Skills und Qualifikationen werden sich aber durchaus auch für WU­-Absolvent/innen verändern.

Inwiefern?

So wie Englisch eine absolute Grundvoraussetzung ist, braucht sich ein/e WUler/in ohne IT­Kenntnisse – wie gute Anwenderkenntnisse und Kenntnisse im Umgang mit Social Media, aber auch einfache Programmierkenntnisse – nicht mehr bewerben.

Danke für das Interview!

Fotos: Cochik Photography

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit acht Jahren für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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Von |2018-12-07T15:20:33+02:007. Dezember 2018|Bewerben|0 Kommentare

Über den Autor:

Brigitte Kuchenbecker
Brigitte arbeitet seit acht Jahren für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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