ZBP Geschäftsführerin Ursula Axmann hat uns im Podcast erzählt, wie der Arbeitsmarkt 2026 tickt, wie Bewerbungen aktuell überzeugen und welche Skills bei der Jobsuche zu Game-Changern werden.
Wir haben die 4 wesentlichsten Erkenntnisse zusammengefasst.
Erkenntnis 1: Der Arbeitsmarkt tickt langsam – aber er tickt!
Natürlich hat sich die Arbeitsmarktsituation vor 2 Jahren anders präsentiert als heute: 2023/24 gab es im sogenannten „Arbeitnehmer*innenmarkt“ mehr offene Jobs als passende Bewerber*innen. Unternehmen mussten sich anstrengen, um ihre Positionen zu besetzen und buhlten mit Segelturns, exklusiven Kennenlernevents und jeder Menge Benefits regelrecht um die passenden Bewerber*innen.
Heute hat sich der Markt gedreht: die Stellenangebote sind weniger, die Konkurrenz unter Bewerber*innen größer. Und dieses Phänomen geht weit über Österreich hinaus. „Ich stehe mit vielen internationalen Career Center in Kontakt: auch die Schweiz oder Deutschland erleben denselben Rückgang von Jobs. Die aktuellen Zahlen der Financial Times zeigen außerdem im UK oder den USA den gleichen Trend“, so Ursula Axmann.
Ist es nun Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken? Nein! Denn auch wenn es aktuell weniger Jobs gibt: es gibt Jobs! Bei einer ZBP Blitzumfrage unter mehr als 50 Arbeitgebern im Jänner 26 zeigte sich, dass Unternehmen vor allem bei Praktika und Teilzeitjobs für Studierende aber auch bei Spezialist*innen-Positionen ab 3 Jahren Berufserfahrung kaum einen Rückgang an Stellenausschreibungen erwarten. Bei Absolvent*innen-Jobs und Traineepositionen hält sich der Anteil der Unternehmen, die an einen Rückgang glauben, mit denen, die eine Stabilität oder sogar einen Aufschwung prognostizieren, immerhin die Waage.
Sehen wir das Glas also halbleer oder halbvoll? Der Trend, dass Absolvent*innen-Positionen immer häufiger Praktika und Teilzeitjobs weichen, hat sich jedenfalls schon in den Jahren zuvor abgezeichnet. Ursula Axmann: „Arbeitgeber warten nicht mehr, bis jemand mit dem Studium fertig ist, sie holen Bewerber*innen mit studienbegleitenden Jobs schon sehr früh und während der Ausbildung ab. Wenn ein*e Student*in dann gut im Job performt und sich auch wohlfühlt, bleibt er*sie auch nach dem Studienende im Unternehmen.“
Erkenntnis 2: Von Wirtschaft und KI
Doch wo liegen eigentlich die Gründe für den verhaltenen Arbeitsmarkt 2026? Die Arbeitgeber aus der ZBP Blitzumfrage sehen vor allem die Wirtschaftslage und die (daraus resultierenden) Umstrukturierungen ursächlich, 27 Prozent nennen noch Änderungen aufgrund der KI.
Die Einschätzung, dass die angespannte wirtschaftliche Lage die Anzahl der vakanten Jobs beeinflusst, überrascht wenig. Unternehmen sind aufgrund von geopolitischen Unsicherheiten, der allgegenwärtigen Frage ob „Zölle oder Nicht-Zölle“ und weltweiter Krisen vorsichtig geworden. „Aus meinen Gesprächen mit Unternehmen weiß ich: Die Auftragslagen gehen zurück, es gibt einen immensen Kostendruck. Und vor allem Personalkosten sind wahnsinnig hoch“, so Ursula Axmann. „Einige große Arbeitgeber, die noch vor ein paar Jahren regelmäßig mit dem ZBP Absolvent*innen gesucht haben, müssen aktuell hunderte Mitarbeiter*innen freisetzen. In solchen Situationen werden natürlich keine neuen Personen eingestellt.“
Die KI hingegen verliert bei genauerer Betrachtung ihren „Sie nimmt mir den Job weg“-Schreckmoment. Genauer nachgefragt, prognostizieren rund 90 Prozent der befragten Arbeitgeber aus der ZBP Blitzumfrage maximal einen leichten Rückgang bei Studierenden- oder Absolvent*innenjobs aufgrund der Auswirkungen von KI. Im Gegenteil: 30 Prozent glauben sogar an einen Anstieg bei Praktika und studienbegleitenden Teilzeitjobs, 24 Prozent bei Absolvent*innenpositionen.
Auch Ursula Axmann distanziert sich von dystopischen Bildern: „Genau wissen wir natürlich noch nicht, welche Auswirkungen die KI auf welche Jobs haben wird. Die Unternehmenslandschaft ist selbst noch in der Experimentierphase und probiert aus, wo und wie man KI sinnvoll einsetzen kann. Aber ich gehe davon aus, dass auch viele völlig neue Jobs entstehen werden, an die wir heute noch gar nicht denken. Und dass KI als Tool einige Jobanforderungen verändern wird – repetitive Aufgaben könnten verschwinden und so mehr Raum für Zwischenmenschliches ermöglichen.“
Erkenntnis 3: Flexibilität als Key-Skill – auch bei der Jobwahl
Wie komme ich als Bewerber*in aber nun trotz der angespannten Lage zum Job? „Die gute Nachricht ist: Mit einem WU Studium hat man immer gute Chancen, da man auf gefragte Kompetenzen aufbauen kann. Die Jobsuche dauert vielleicht gerade ein bisschen länger und man braucht Durchhaltevermögen, aber WU Absolvent*innen sind nach wie vor am Arbeitsmarkt sehr gerne gesehen“, so Axmann.
Gerade die generalistische Ausbildung der WU bringe laut der Geschäftsführerin des ZBP Vorteile bei der Bewerbung: „Je breiter meine Ausbildung im wirtschaftlichen Bereich ist, desto flexibler sind meine Einsatzgebiete im Unternehmen.“ Und das brauche man in Zeiten der Unsicherheit. „Wir wissen ja nicht, wohin sich die Jobwelt in 5 Jahren verändern wird.“
Flexibilität scheint sowieso das Schlagwort der heutigen Zeit zu sein. Nicht nur steht Flexibilität als Kompetenz auf der Wunschliste der Arbeitgeber ganz oben, sondern ist sie auch für die Jobsuche von Vorteil.
„Natürlich sollte man seinen Karrierewünschen treu bleiben und auch bei wenig Angebot nicht irgendeinen Job annehmen – aber die Scheuklappen zu öffnen und einmal an neue Karrierewege zu denken, kann nicht schaden“, so Axmann.
Erkenntnis 4: Bewerbungs-Pros überzeugen
Außerdem liegt bei einem „Arbeitgeber*innenmarkt“, wie er sich jetzt gerade präsentiert, ein starker Fokus auf soliden und überzeugenden Bewerbungsunterlagen. „Die Zeiten, in denen man sich einfach geschwind mit einem halbschönen Lebenslauf bewirbt, sind definitiv vorbei. Wenn es 300 Bewerbungen auf eine offene Position gibt, muss man sich wirklich bemühen, um herauszustechen“, meint Ursula Axmann.
Und, Arbeitsmarktsituation hin oder her: Die Bewerbungsunterlagen sind ein Rädchen, an dem jede*r schrauben kann. Hallo Selbstwirksamkeit, willkommen zurück! Mit einer übersichtlichen Struktur, einem netten Layout, aber vor allem mit Authentizität, Einzigartigkeit und einem starken Fokus auf die Motivation für genau diesen Job und genau dieses Unternehmen sticht man unter Mitbewerber*innen hervor. Es liegt auf der Hand, dass der Einsatz von KI, um schnell Massenbewerbungen abzusenden, zu überdenken ist.
„Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell Arbeitgeber Bewerbungen erkennen, die mit ChatGPT erstellt sind. Und die meisten schätzen das nicht! Ganz im Gegenteil: Unternehmen wollen ja Personen einstellen, die proaktiv und motiviert sind und sich nicht bequem durch die KI Lebensläufe bzw. Bewerbungsschreiben erstellen lassen“, resümiert Ursula Axmann. „Man will ja Menschen einstellen und nicht Chatbots.“
Trübsal blasen? Bitte nicht!
Als Fazit: Ja, es gab schon einmal bessere Zeiten am Arbeitsmarkt. Aber, um zu relativieren: Es gab genauso auch schon schlechtere Zeiten. Ursula Axmann blickt in die Vergangenheit: „Als ich mit dem Studium fertig geworden bin, war der Jobmarkt auch superschlecht. Ich habe dann einen Job angenommen, nur um einen zu haben, wusste aber bald, dass dieser mittelfristig nicht zu mir passt. So habe ich ins ZBP gewechselt – und bin bis heute geblieben.“
Karrierewege sind sowieso unterschiedlich und vielfältig. In der heutigen Zeit sind Offenheit und Flexibilität Game-Changer. Genau hier setzt auch das WU ZBP Career Center an. Ursula Axmann: „Bei allen Karriereentscheidungen kann man sich im Career Center unterstützen lassen. Auch ein Blick von außen auf die Unterlagen kann den entscheidenden Twist im Bewerbungsprozess bringen. Dafür sind wir da: Es tut einfach gut, sich auszutauschen und eine*n Sparringspartner*in bei Job- und Karrierefragen zu haben. In guten wie in schlechten Zeiten!“
Das ganze Interview gibt es im Podcast „Karriereluft“ zum Nachhören!