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Erfolg beginnt im Kopf

„Was ist Erfolg für dich?“ – diese Frage habe ich vielen Bekannten, Kolleg*innen, Freund*innen gestellt. Und dabei viele nachdenkliche Gesichter gesehen. Zählen nur die großen Gipfelstürme oder auch das Gewinnen eines Brettspiels? Ist Erfolg das Ergebnis harter Arbeit? Oder doch vielmehr von Glück und Zufall abhängig?

© Unsplash/Arthur Ogleznev

Was also ist Erfolg? 

In den klassischen Nachschlagewerken gilt Erfolg als ein „positives Ergebnis einer Bemühung“. Auch die KI stimmt zu: „Erfolg ist das Erreichen eines gesetzten oder als erstrebenswert anerkannten Ziels.“ Wenn man sich die Zitate von Persönlichkeiten im Rampenlicht ansieht, wird es außerdem ganz schön wild. Die Rede ist von „Durchhalten“, „harter Arbeit“ und „Disziplin“. Das klingt nicht unbedingt nach einer Glitzer-Glamour-Welt, in der einem alles easy in den Schoß fällt. 

Muss Erfolg also schwer zu erreichen sein? Ich grabe in meinen Recherchen tiefer und verabrede Gespräche mit Prof. Mayrhofer und Prof. Fiedler von der WU. Wolfgang Mayrhofer beschäftigt sich in der Karriereforschung mit der Definition von Karriereerfolg. Susann Fiedler beleuchtet die psychologische Komponente von Erfolgsempfinden. 

Und auch nach diesen Gesprächen merke ich: Es bleibt komplex. Aber ich bin um 7 Aha-Momente reicher. 

Aha-Moment 1: Erfolg hat viele – sehr viele – Gesichter.  

Erfolg betrifft viele Lebensbereiche. Allein am Beispiel Karriere wird deutlich, wie vielfältig das Erfolgserleben sein kann. Wolfgang Mayrhofer erklärt: „In den Analysen des internationalen Forschungsnetzwerks 5C (Cross-Cultural Collaboration on Contemporary Careers) haben wir 15.000 Personen aus 35 Ländern über alle Kontinente gefragt, was Karriereerfolg für sie bedeutet. Herausgekommen sind 7 Dimensionen: Lernen und Entwicklung, Entrepreneurship, Work-Life-Balance, Positiver Impact, Positive Arbeitsbeziehungen, Finanzielle Sicherheit und Finanzieller Erfolg.“

Aha-Moment 2: Mein Erfolg ist nicht gleich dein Erfolg.

Welche dieser 7 Dimensionen nun in der Pole-Position für das eigene Erfolgsempfinden liegt, kann von Person zu Person stark variieren. Der eine ist Team „Positive Arbeitsbeziehung“ – er fühlt sich erfolgreich, wenn er mit seinen Arbeitskolleg*innen echte Freundschaften pflegt. Die andere ist Team „Entrepreneurship“ – sie strebt nach dem nächsten Produkt-Launch und der Gratulation vom Vorstand. 

Und auch innerhalb der einzelnen Dimensionen können die Erfolgsempfindungen variieren – von Person zu Person, von Kultur zu Kultur. Wolfgang Mayrhofer: „Ein südafrikanischer Blue-Collar-Worker erlebt finanzielle Sicherheit, wenn er die Familie über das nächste Monat bringt. Ein nordamerikanischer Business-School-Candidate empfindet hingegen finanzielle Sicherheit, wenn er ein entsprechendes Aktienpaket mit einem breit gestreuten Portfolio hat.“ 

Aha-Moment 3:  Erfolg wird auch „von außen“ bestimmt. 

Neben Gesellschaft, Kultur und individuellen Bedürfnissen, spielen auch die Zuschreibungen von „außen“, von unseren unmittelbaren Peer Groups eine große Rolle.

Susann Fiedler erklärt: „2 Leute können sich unterschiedlich erfolgreich fühlen, obwohl sie beide dasselbe geleistet haben. Nehmen wir 2 Kinder, die einen Dreier auf die Schularbeit bekommen. Das eine Kind ist stolz – es hat sich von einem Vierer verbessert und weiß, dass sich seine Eltern mit ihm freuen. Das andere Kind ist geknickt – es hatte mehr erwartet und fürchtet die Kritik der Eltern. Beide Kinder haben die gleiche Leistung erbracht – und doch komplett unterschiedliche Erfolgserfahrungen.“ 

Aha-Moment 4: Objektiv ist nicht gleich subjektiv erfolgreich. 

Zudem gibt es noch die Komponenten „subjektiver“ und „objektiver“ Erfolg. Wolfgang Mayrhofer: „Objektiver Erfolg ist sichtbar, man kann ihn messen. Im beruflichen Kontext ist das klassisch das Einkommen, der Status und der Aufstieg.“ 

Wie das Ergebnis aber subjektiv bewertet wird, ist eine ganz andere Thematik. „Leute sind objektiv erfolgreich, weil sie z. B. zu den Top 5 ihres Jahrgangs zählen und viel verdienen – sie können aber subjektiv völlig unzufrieden sein“, so Mayrhofer. Unter anderem lassen sich hier traditionelle Geschlechterrollen erkennen: Männer seien zum Beispiel überproportional oft in dieser „Es genügt mir nicht, obwohl es nach außen toll scheint“-Kategorie zu finden. 

Aha-Moment 5: Erfolg ist eine Vergleichssache. 

Eine wichtige Rolle hierbei spielt auch der Vergleich mit anderen. Susann Fiedler: „Soziale Anerkennung bzw. ein subjektives Erfolgserlebnis gehen oft damit einher, dass ich so gut abschneiden möchte wie andere.“

Gerade Social Media biete uns eine Fülle an selektierter Information. „Ich bekomme heute sehr viele (scheinbare) Einblicke in das Leben von Leuten, die nicht meine direkte Peer-Group sind. Und die auch ganz bewusst ein Best-of ihrer selbst inszenieren. Das verzerrt die Norm“, so Susan Fiedler.  

Aha-Moment 6: Erfolg spielt sich im Kopf ab. 

Wenn das subjektive Erfolgserleben also stark durch meine Gedanken, Bewertungen und Vergleiche mitbestimmt wird, kann ich aber auch selbst daran schrauben. 

Susann Fiedler: „Es gibt viele Möglichkeiten, mein Erfolgsempfinden bewusst zu stärken. Zum einen kann ich den Fokus ändern. Wenn es im Sport nicht gut klappt, dann bin ich stolz auf meine berufliche Leistung. Oder ich suche mir eine andere Vergleichsgruppe. Wenn ich mich als Elternteil klein fühle, dann schaue ich 10 Folgen ‚Die Super-Nanny‘ – und schon fühle ich mich groß. Natürlich kann ich auch meine Prioritäten neu definieren. Vielleicht ist mir der Marathon doch gar nicht so wichtig und ich könnte meine Energie für etwas anderes einsetzen? Oder ich gehe vom Großen in Details – in dem von mir organisierten Workshop war eine super Stimmung? Dann kann ich über die verpatzte Kursabrechnung leichter hinwegsehen.“ 

Aha-Moment 7: Erfolg bleibt nicht gleich Erfolg. 

Klingt eigentlich easy - wäre da nicht unser innerer Antreiber, der ständig „Ich will mehr“ ins Ohr flüstert. 

Kann Erfolg also genug sein? Susann Fiedler erklärt: „Man ist eigentlich nie so richtig zufrieden. Und evolutionär ist das auch eine gute Sache: Es macht Sinn, sich immer weiterzuentwickeln. So wachsen wir als Gesellschaft und es gibt Fortschritt.“ Was also heute zählt, muss morgen nicht mehr die große Bedeutung haben. Auch Wolfang Mayrhofer bestätigt: „Das Erfolgsempfinden ist in verschiedenen Karrierephasen ganz unterschiedlich.“

Viel Erfolg! 

Ich schließe also mit vielen neuen Erkenntnissen. Klar geworden ist mir, dass es die EINE Definition von Erfolg nicht gibt: Erfolg ist genauso vielschichtig, wie wir selbst. Die einen wollen viel Geld verdienen, die anderen einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten und die dritten eine harmonische Zeit mit Anderen. Und auch wenn uns die Gesellschaft „hard facts“ für den objektiven Karriereerfolg vorzugeben meint: Wir können Erfolg für uns selbst definieren. Wenn wir dann auch noch den Stopp-Knopf für unser „Aber ich will mehr“ finden, wird der Erfolg auch nachhaltig. 

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