Mumbai - das Herz Bollywoods
Position: Venture Founder,Bayer Crop Science
Studium: International Management/CEMS, WU Wien
Seit Oktober 2023 in Indien
Warum?
Ich habe während meines Studiums schon Zeit im Ausland verbracht – ein Auslandssemester in Hong Kong 2009 hat mich besonders geprägt. Diese asiatische Megacity zu sehen und dann unterschiedliche Teile dieses aufstrebenden Landes kennenzulernen war beeindruckend. Ich habe nach Abschluss meines Studiums dann zwar in Deutschland gearbeitet, aber es hat mich immer wieder zurück nach Asien gezogen.
Wie?
Ich arbeite seit 2012 bei Bayer in unterschiedlichen Teams und Geschäftsbereichen und habe bei meinen Chefs dort früh mein Interesse, in Asien zu arbeiten, bekundet. Ich war immer wieder für kurze Projekte dort, aber 2021 hat es dann endlich geklappt und ich bin nach Singapur gezogen – inmitten der Pandemie … Nach knapp 3 Jahren in Singapur, wo ich Teil der regionalen Leitung für Asien war und einen guten Überblick über den Markt bekam, bin ich 2023 dann nach Indien weitergezogen.
Was?
Ich habe ein Start-up innerhalb von Bayer gegründet, welches ich nun leite. Wir haben sogenannte „venture-building“ Inkubatoren, um neue Geschäftsfelder oder Kundensegmente schnell mit neuen Lösungen aufzubauen. Ich bin in der Digitalisierung der Landwirtschaft unterwegs und versuche, speziell das Problem der Fragmentierung von Kleinbäuer*innen zu lösen. Mein Venture „FarmRise One“ in Indien ist ein digitaler Marktplatz, der Kleinbäuer*innen z. B. dabei unterstützt, Zugang zu Krediten, Saatgut, Dünger oder Maschinen zu bekommen, sowie hilft, die Ernte zum bestmöglichen Preis direkt zu verkaufen.
Wo?
Ich lebe in Mumbai, einer Stadt mit 22 Millionen Einwohner*innen, wo Geschäft und Kultur (z. B die Filmstudios von Bollywood) zusammenfließen. Mumbai liegt am Meer und hat eine wunderschöne Skyline. Menschen aus ganz Indien kommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben her. Dieser Mix macht die Stadt sehr spannend und dynamisch. Mein Büro ist etwa 35 km entfernt, allerdings brauche ich im dichten Verkehr von Mumbai etwa 1 Stunde. Ich reise auch sehr viel in ländliche Gebiete, wo mein Venture aktiv ist.
Was ist Erfolg in deinem Land?
In einem aufsteigenden Schwellenland wie Indien definieren viele Erfolg mit materiellem Aufstieg. Das bedeutet: die Karriereleiter hochklettern, ein erstes Auto und Immobilie kaufen und die Familie absichern. Daher versuchen viele nach etwa 3 Jahren den Job zu wechseln, um die Lernerfahrung und Gehaltserhöhung zu maximieren. Als Führungskraft ist es daher gar nicht so einfach, Kolleg*innen davon zu überzeugen, länger im Unternehmen zu bleiben und all die Erfahrung dort nachhaltig einzubringen.
Tipps für Mumbai, Indien
Bitte ja: Die diverse und köstliche indische Küche probieren, denn Essen und Gastfreundlichkeit werden hier großgeschrieben. Und Geduld mitbringen: Dinge, wie Bankgeschäfte, können schon mal länger dauern. Inder*innen sind außerdem sehr an Fremden und der Welt interessiert. Daher gerne über sich und wo man herkommt erzählen.
Lieber nicht: Selbst Auto fahren. Der Straßenverkehr ist nicht ganz so geregelt wie manche es von zu Hause kennen, da wird um jeden Zentimeter gekämpft. Man darf auch nicht unflexibel sein – privat, aber auch geschäftlich. Es passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge, Termine werden nicht immer pünktlich wahrgenommen … Man geht am besten mit dem Flow.
Nach der Arbeit: Werktags mache ich Sport, wie draußen schwimmen oder Basketball spielen. Das ist der Vorteil an einem tropischen Land: Es ist nie zu kalt und es gibt meist viel Sonne. 😊 Am Wochenende erkunde ich z. B. unterschiedliche Stadtviertel, treffe mich mit Freund*innen zum Essen oder reise in unterschiedliche Landesteile, von Bergen über antike Städte bis hin zu Teeplantagen.
Von Karin Kwapien | | Jobwelt