Recruiter/innen sind auch nur Menschen

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Recruiter/innen sind auch nur Menschen

Bild: ZBP/Jürgen Plettenbauer

Recruiter/innen sind auch nur Menschen! Mh! Haut Sie jetzt nicht gerade vom Hocker? Nichts Neues? Wussten Sie schon? Stimmt. Ich gebe zu, diese Feststellung ist evident und klingt trivial – auf den ersten Blick.

Denn bei näherer Betrachtung ist sie für das Verständnis, was im Recruiting eigentlich passiert, durchaus hilfreich. Wer in seiner Bewerbung neben den fachlichen Fähigkeiten auch Interessen und Hobbies anführt, zeigt sich auch von einer anderen Seite, kann dadurch Sympathie wecken – und wird zum Gespräch eingeladen. Treffen dann z.B. zwei begeisterte Läufer/innen oder Hobbyköche aufeinander, schmilzt das Eis im Gespräch wie von selbst, man ist quasi auf derselben Wellenlänge. Die Grundstimmung passt also, zudem finden sich noch ähnliche Erfahrungen in der Ausbildung, sich deckende Überzeugungen hinsichtlich der Arbeitsweise und der Rest des Gesprächs ist reine Formsache. Für beide Seiten ist also schnell klar: das passt einfach, das spürt man! Und wo bleibt dabei die Objektivität bei der Bewertung der Fähigkeiten? Etwa auf der Strecke?

Genau hier ist diese simple Feststellung, dass Recruiter/innen eben auch nur Menschen sind, als Denkanstoß auf dem Weg zu mehr Transparenz und Gleichbehandlung im Bewerbungsprozess von unschätzbarem Wert. Jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, unabhängig von Bildungsstand oder Berufserfahrung, hat unbewusste Vorannahmen und Wahrnehmungsmuster, so genannte Unconscious Bias. Wir nehmen Dinge nämlich nicht nur einfach wahr („Ich sehe ein Haus.“), sondern interpretieren die Information zudem („Es ist sehr gepflegt und gehört sicherlich wohlhabenden Menschen.“) und bewerten sie auch noch („Schön, dass sich die Bewohner so viel Mühe geben.“, oder „Klar, dass die Ihren Reichtum zur Schau stellen müssen.“). Man kann von einem unbewusst ablaufenden Kreislauf aus Beobachtung, Interpretation und Bewertung sprechen. Aus der Verallgemeinerung dieser Wahrnehmungen bilden wir unsere Überzeugung (reiche Hausbesitzer = angeberische Snobs), die wir dann auch noch für die objektive Wahrheit halten, wie uns die Theorie des Konstruktivismus lehrt.

Eine Kandidatin, zwei Meinungen

Man stelle sich nun folgende Situation im Recruiting vor: In einem Produktionsunternehmen wird eine neue Stelle für Hochschulabsolvent/innen in Sales & Marketing geschaffen; eine Bewerberin wird zum Gespräch eingeladen und soll von zwei Recruitern beurteilt werden; die Informationsbasis in Form von Lebenslauf, Motivationsschreiben und Zeugnissen ist für beide gleich. Rein theoretisch müssten sich also beide Recruiter darüber einig sein, ob die Kandidatin geeignet ist oder nicht. Ahnen Sie es schon?

Die Kandidatin ist im Gespräch eher zurückhaltend und stellt nur wenige Rückfragen; während Recruiter 1 die Zurückhaltung der Kandidatin als Mangel an Durchsetzungswillen auslegt, erlebt Recruiter 2 die wenigen Rückfragen im Gespräch als sachverständig und kompetent. Somit kommt Recruiter 1 zu der Beurteilung, dass die Kandidatin nicht selbstbewusst genug ist, um später beim Kunden kompetent aufzutreten und zu überzeugen, wohingegen Recruiter 2 schlussfolgert, dass die Kunden das aktive Zuhören schätzen werden, weil die Kandidatin sich zurücknehmen und auf die speziellen Bedürfnisse einstellen kann. Der eine gibt sein Go, der andere nicht.

Es gehört zur professionellen Arbeit eines jeden Personalentscheiders/einer jeden Personalentscheiderin dazu, sich dieser unbewussten Denkmuster bewusst zu werden, sich ihnen kritisch zu stellen und sie gegebenenfalls zu verändern.

Georg Kubina

Georg Kubina

Georg Kubina arbeitet am ZBP im Bereich Karriereberatung & Student Relations.

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Von |2018-08-02T13:54:09+00:009. April 2018|Im Job|0 Kommentare

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Georg Kubina arbeitet am ZBP im Bereich Karriereberatung & Student Relations.

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