Die Rush-Hour des Lebens

Die Rush-Hour des Lebens

In zehn Jahren beruflich erfolgreich, glücklich, kinderreich – so der Anspruch. Denn gerade in einer Altersspanne zwischen 25 und ca. 35 Jahren passieren im Leben weitreichende Veränderungen: Der Auszug aus dem Elternhaus, das Ende des Studiums, die ersten Schritte auf der Karriereleiter und die Familienplanung. Den Belastungen und Entscheidungen, die daraus resultieren, sollte man Bewusstsein schenken.

Die Rush-Hour des Lebens

„Die sogenannte Rush-Hour des Lebens bezeichnet eine Lebensphase, in der nachhaltige Lebensentscheidungen in sehr kurzer und verdichteter Zeit getroffen werden. Eine Zeitpanne ungefähr zwischen 25 und 35 Jahren“, erklärt Johann August Schülein, Professor am Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung an der WU. „Es gibt wohl kaum ein anderes Jahrzehnt, das biografisch gesehen so dramatisch mit Veränderungen verbunden ist“. Denn kaum ist die Ausbildung abgeschlossen, ruft die Karriere ebenso wie der Kinderwunsch oder das Bedürfnis, sich in Hobbies und Freizeittätigkeiten zu verwirklichen. „Insbesondere die Generation Y ist pragmatisch und will beides: Karriere und Privat“, betont Christian Korunka, Professor am Institut für Angewandte Psychologie (Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie) der Universität Wien. Doch der Wunsch nach allem scheint schwer zu verwirklichen, ist die Zeit doch begrenzt. Ein Dilemma entsteht: Welche Lebensbereiche soll man forcieren? Soll man sich in die Karriere vertiefen? Doch wann bleibt dann Zeit für ein Kind oder die Weltreise?

Das Dilemma der begrenzten Zeit

Insbesondere Akademiker/innen spüren die zeitliche Verdichtung von Lebensereignissen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung. „Unsere heutige, moderne Gesellschaft ist geprägt von dem Leistungsprinzip. Hoch qualifizierte Positionen benötigen hoch qualifizierte Ausbildungen, wodurch sich die Zeit der Lehre verlängert, damit auch die Phase der Adoleszenz – die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenenstatus – und der ökonomischen Abhängigkeit von den Eltern“ so Schülein.

Wesentliche Ereignisse des Lebens verschieben sich dadurch nach hinten. Insbesondere bei Akademiker/innen ist die Gründung einer Familie oft erst jenseits der Dreißig möglich – eine Zeitspanne, in der man häufig auch die Karriere forcieren will. Ein Zeitdruck entsteht. Schülein: „Es wird nach hinten eng. Denn mit 30, wenn man mitten in der Karriere steckt, zu sagen: Ich muss die Arbeit und die Karriere der Familie oder der Freizeit wegen unterbrechen, ist biografisch gesehen eine harte Entscheidung“.

Lösungsansätze werden benötigt

Insbesondere die Generation Y, also die heutige Generation an Jung-Akademiker/innen, fordert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Trends am Arbeitsmarkt berücksichtigen den Wunsch der Vereinbarkeit bereits, man denke nur an die Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort“, betont Korunka. Gleichzeitig weist er aber auch auf die Gefahren von zu viel Flexibilität hin: „Durch eine höhere Autonomie ist auch die Abgrenzung zur Arbeit schwieriger. Paradoxerweise hat man mit flexiblen Rahmenbedingungen oft noch weniger Zeit“.

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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Von | 2018-08-21T10:06:08+00:00 21. August 2018|Im Job|0 Kommentare

Über den Autor:

Brigitte Kuchenbecker
Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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