Warum Scheitern nicht schlecht ist

Warum Scheitern nicht schlecht ist

Einen Fehler feiern, klingt absurd. Wir haben von klein auf gelernt, schon beim geringsten Fehler den Besen hervorzuholen und alles fein säuberlich unter den Teppich zu kehren. Ist der Fehler damit verschwunden? Mitnichten. Wir brauchen nur eine andere Fehlerkultur.

Ein Hoch auf den „Tag der Fehler“

Ich lade euch ein, an einen eurer Fehler zu denken, ihn aber nicht wegzukehren sondern ganz genau anzusehen. Zum Beispiel am 15. August, denn da begeht man den „National Failures Day“. Es ist einer von vielen kuriosen Feiertagen, der seinen Ursprung in den USA hat.

Selbst am „Tag der Fehler“ bereitet es mehr Freude von Erfolgen zu berichten, als verschämt zuzugeben: Das was man sich ausgemalt hat, ist nicht in Erfüllung gegangen. Gerade Studierende und junge Absolvent/innen können davon ein Lied singen – Prüfung verhaut, Arbeit zurückgeschmissen bekommen, nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, den Traum vom Start-up mangels Finanzierung zu Grabe getragen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Die eine oder andere Situation habt ihr vermutlich selbst erlebt.

Fehler machen, aber richtig

Es wird viel darüber gesprochen, dass die Generation Y mit Fehlern und mit Scheitern besser umgehen könne, weil die Arbeitswelt heute mehr Mobilität, lebenslanges Lernen und die Bereitschaft für projektbezogene Arbeitsverhältnisse statt starrer Arbeitsbereiche verlangt. Ihr seid in diese Realität hineingewachsen, viele der Generation X und ihrer Vorgänger/innen – oft in den höheren Etagen zuhause – müssen erst umdenken.

Die Wirtschaftswelt braucht eine andere Fehlerkultur. Mitarbeiter/innen, die einen Fehler frühzeitig melden, zu sanktionieren erstickt die Bereitschaft zu so einem Handeln im Keim. Jemanden der/die am Boden liegt, mit Schadenfreude zu überhäufen statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, hilft ihm/ihr nicht weiter.

Eine Fehlerkultur ändert sich aber nicht von selbst und man kann die Umstellung nicht einfach einfordern. Daher möchte ich euch fünf Tipps mit auf den Weg geben, wie ihr mit Scheitern besser umgehen könnt. Wer das kann, kann eine bessere Fehlerkultur mitgestalten.

So scheitert es sich besser

  1. Plane Scheitern ein
    Scheitern ist immer – wirklich immer – eine von mehreren Möglichkeiten, wie ein Vorhaben ausgehen kann. Menschen machen Fehler, Voraussetzungen ändern sich, Pläne gehen nicht auf. Verfolge daher realistische Ziele. Du kannst die
    Latte ruhig hoch legen, aber schau von Anfang an, wo sich Stolpersteine verstecken und entwickle passende Exit-Strategien. Im Sinne einer besseren Fehlerkultur, beobachte bei anderen, wie jemand den Karren an die Wand fährt und hilf, die Bremse zu finden.
  2. Lecke deine Wunden, aber verfalle nicht in Selbstmitleid
    Rückschläge sind für niemanden erfreulich. Um wieder auf die Beine zu kommen, muss man mit der Situation bewusst umgehen. Sei wütend, traurig, verkrieche dich. Und dann komme wieder raus aus deiner Höhle und richte dein Krönchen.
  3. Erkenne das Lernfeld
    Scheitern als Chance zu bezeichnen hat einen zynischen Beigeschmack, wenn man eben erst gescheitert ist (siehe Punkt 2). Wenn du dich wieder aufgerichtet hast, schau dir genau an, welche Vorzeichen du übersehen hast. Lass auch andere einen Blick darauf werfen. Sonst kann es sein, dass du dieselben Fehler immer wieder aufs Neue machst. Um es mit den Worten des Dalai Lama zu sagen: „Wenn Du verlierst, verliere nicht den Lerneffekt.“
  4. Sei ehrlich zu dir selbst
    Wenn du selbst von einem „kleinen Missgeschick“ sprichst, während andere über dein Scheitern den Kopf schütteln, hast du schon verloren. Nenne die Dinge beim Namen, so behältst du die Kontrolle darüber.
  5. Sei stolz auf dich!
    Nur wer etwas probiert, kann scheitern. Du hast deine Komfortzone verlassen und etwas gewagt. Das verlangt Mut und gehört anerkannt.

Gib dir selbst und anderen eine zweite Chance: wenn nötige eine dritte und auch eine vierte. Um diese vermutlich neue Einstellung zu verinnerlichen, muss man sie üben. Der „Tag der Fehler“ am 15. August bietet einen guten Anlass. Wenn du den versäumst, markiere dir den 13. Oktober im Kalender. Den haben die Finnen zum „International Day for Failures“ erklärt. Sollte dir bis dahin kein Scheitern einfallen, lies noch einmal Punkt 4 oder versuche den Tag auf Finnisch auszusprechen: Kansainvälinen Epäonnistumisen Päivä.

Christine Steindorfer

Christine Steindorfer

Christine Steindorfer ist PR-Beraterin (http://wortart.at/), Universitätslektorin, Schreibtrainerin und Scheiterexpertin. Mit „Die Kraft des Scheiterns. Eine Anleitung ohne Anspruch auf Erfolg“ hat sie gemeinsam mit Gerhard Scheucher bereits 2008 berufliches Scheitern unter die Lupe genommen. Das Nachfolgewerk „Die Aufwärtsspirale“ ist ein Arbeitsbuch für einen bessern Umgang mit Fehlern (beide Leykam Verlag).

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Von |2018-08-13T12:10:39+02:0013. August 2018|Allgemein, Im Job|0 Kommentare

Über den Autor:

Christine Steindorfer
Christine Steindorfer ist PR-Beraterin (http://wortart.at/), Universitätslektorin, Schreibtrainerin und Scheiterexpertin. Mit „Die Kraft des Scheiterns. Eine Anleitung ohne Anspruch auf Erfolg“ hat sie gemeinsam mit Gerhard Scheucher bereits 2008 berufliches Scheitern unter die Lupe genommen. Das Nachfolgewerk „Die Aufwärtsspirale“ ist ein Arbeitsbuch für einen bessern Umgang mit Fehlern (beide Leykam Verlag).

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