Tagesplan beim Zähneputzen

Tagesplan beim Zähneputzen

Bild: Cochic Photography

Melonen, Zitronen, Kürbisse – die Auswahl bei ‚Dragan Milosevic Obst und Gemüse‘ am Karmelitermarkt ist breit. Kathi Hingsammer weiß etwas über Artischocken, Gregor Sideris hört aufmerksam zu. Märkte sind ein guter Ort, um ins Gespräch zu kommen, es lag nahe die beiden hier zu treffen – schließlich sprechen sie mit ihren Websites und Social Media Profilen Zehn- bis Hunderttausende Menschen an.

Sideris und Hingsammer sind Influencer/innen. Er betreibt den Lifestyle & Reiseblog The Vienna Blog und erreicht auf Instagram (@gregsideris) 224.000 Abonnent/innen und auf Twitter (@GregorSIDERIS) 85.000 Follower. Dazu arbeitet Sideris für IBM als Marketing Leader. Hingsammer steht hinter dem Blog Ketch’em Bunnies und dem Online-Magazin The Daily Dose, das sie gemeinsam mit einer Kollegin betreibt. Sie schreibt über „Life & Style“ – auf Instagram folgen ihr, beide Accounts @thedailydose und @ketchembunnies zusammengenommen, über 100.000 User/innen.

Wie wird man Influencer/in – ist das eine bewusste Entscheidung oder passiert es einfach?

Hingsammer: Für mich war das keine bewusste Entscheidung. Ich wollte einfach kreativ sein, fotografieren und schreiben, und habe deshalb den Blog gestartet. Durch die Entwicklung und den Aufschwung, der im Laufe der Jahre gekommen ist, konnte ich mein Hobby dann zum Beruf machen. The Daily Dose habe ich natürlich mit der Absicht gegründet, um davon leben zu können, doch da war der Aufschwung mit Ketch’em Bunnnies schon da. Man muss generell einen Unterschied machen zwischen influencen und bloggen. Meine Social Media Kanäle sind eigentlich der Support für meine Beiträge, aber über diese wird man als ehestes als Influencerin wahrgenommen.

Sideris: Bei mir fing alles damit an, dass ich für IBM nach Sprecher/innen für Gastvorträge gesucht habe und merkte, wie spannend deren Leben ist – sie bekommen immer alles gezeigt und werden eingeflogen. Da dachte ich mir ‚I am on the wrong side!‘ (lacht), ich muss auch Influencer werden. Das war vor 10 Jahren, da gab es den Begriff noch gar nicht. Ich habe mich dann für das Thema „Travel und Lifestyle“ entschieden, da es nicht in Konflikt mit meinem Beruf stand. Twitter war meine erste Plattform, dann kam mein Blog und schließlich Instagram, Facebook und noch mehr Portale dazu. Diese sehe ich aber letztlich, wie Kathi sagt, als Verstärker, um Aufmerksamkeit für meinen Blog zu schaffen.

Gregor, du pflegst den Blog und die ganzen Social Media-Kanäle nebenberuflich. Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Sideris: Ich nehme mir in der Früh von sieben bis neun Zeit. Zuerst überlege ich mir: Was sind meine Prioritäten für die Kanäle heute? Welche Ideen habe ich? Um 9 Uhr trinke ich dann den zweiten Kaffee und die ersten Calls stehen an. Ich arbeite für IBM im Home Office und habe jeden Tag viele Conference Calls, von neun bis 17 Uhr. Am Abend nutze ich dann auch nochmal zwei Stunden, zum Beispiel für eine YouTube-Recherche über die Genfer Uhren-Messe, zu der ich nächste Woche fahre. Andere Menschen sitzen um diese Uhrzeit vielleicht vor dem Fernseher.

Wie ist das bei dir, Katharina?

Hingsammer: Ich stehe jeden Tag pünktlich um 7.30 Uhr auf (lacht) und mache mir noch vorm Frühstück den Tagesablauf mit meiner Partnerin aus: Wann fahren wir ins Büro? Müssen wir Outfits mitnehmen, haben wir etwas zum shooten? Müssen wir etwas kochen? Das mache ich meistens während des Zähneputzens, über Facebook Messenger. Nach dem Frühstück arbeite ich die ersten Mails von zu Hause aus ab und bin dann von neun bis 18 Uhr im Büro. Dazwischen haben wir Shootings oder Termine, und am Abend sind dann meistens Veranstaltungen, oder ich fahre heim und mache Sport, koche, esse. Abends arbeite ich nochmal bis neun, halb zehn und kümmere mich um die letzten Emails, die noch reingekommen sind. Zum Abschluss des Tages zocke ich entweder auf der Nintendo Switch oder schaue Serien (lacht).

Ich darf also nicht an einer 9-to-5-Arbeitswoche hängen, wenn ich Influencer/in werden möchte. Welche Skills brauche ich noch?

Sideris: Es braucht generell eine gewisse Demut und Geduld. Diese Scheinwelt verleitet schnell zu denken: ‚Okay, ich habe jetzt ein schönes Foto, ein Video ist viral gegangen und ich bin gleich ein Superstar und brauche sieben Manager/innen‘. Hier gilt es, nicht abzuheben. Um professionell zu arbeiten, braucht es auch eine Struktur und einen Redaktionsplan, man muss seine Zielgruppe und die Brands analysieren. Was ist die Sprache der Marke, mit der ich arbeite, wie passt sie zu mir?

Hingsammer: Der Name Influencer/in sagt es ja bereits – du musst die Leute mitreißen und beeinflussen können. Dafür brauchst du ein Kommunikationstalent, und du musst dein Leben interessant darstellen können – sei es durch hochwertige Fotos oder weil du besonders begabt im Sprechen bist. Außerdem solltest du schon als Angestellte/r gearbeitet haben und wissen, wie ein normaler Bürojob ausschaut, wie man Angebote schreibt und wie man generell in der Berufswelt miteinander kommuniziert. Wenn du das alles kannst und da Erfahrungen gesammelt hast, kannst du gut als Selbstständige/r in sämtlichen Bereichen überleben. Man muss sich als Blogger/in oder Influencer/in aber bewusst sein, dass man vielleicht sehr lange gratis arbeitet, bis das erste Geld reinkommt. Im ersten Jahr, als wir uns mit The Daily Dose selbständig gemacht haben, haben wir eigentlich nichts verdient.

Vielen Dank für das Gespräch!

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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Von | 2018-05-11T12:26:00+00:00 11. Mai 2018|Wohin|0 Kommentare

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Brigitte Kuchenbecker
Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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