Trends im Recruiting

Trends im Recruiting

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“. Was der griechische Philosoph Heraklit bereits in der Antike feststellte, gilt auch fürs Recruiting. Insbesondere mit der Digitalisierung haben sich einige Veränderungen ergeben. Wo liegen die aktuellen und künftigen Trends?

Wer sich zur Generation Y zählt, d.h. zwischen ca. 1980-1995 geboren wurde, für den- bzw. diejenige klingt das Recruiting der 1970er Jahre antiquiert und unvorstellbar. Zeitungsannoncen hatten Überschriften wie „Tüchtiger Industrie-Kaufmann gesucht“, gefolgt vom Namen des Arbeitgebers, dem Arbeitsort und der Schlussformel: „Angebote mit Zeugnisabschriften, Lichtbild und handschriftlichem Lebenslauf werden erbeten“ waren die Regel. Schwarz-weiß, meist keine Bilder, oft nur wenige Zeilen lang, sachlich-schlicht. Von Antidiskriminierung keine Spur.

Von der Bewerber/innenverwaltung zur aktiven Bewerber/innenansprache

Noch bis Mitte der 90er blieben Printmedien die Informationsquelle schlechthin für Bewerber/innen. Mit der Jahrtausendwende kamen die ersten Bewerber/innenmanagementsysteme auf den Markt und zumindest bei großen Unternehmen wurden Karrierewebsites Standard. Mit der Weiterentwicklung zum Web 2.0 revolutionierte sich die digitale Kommunikation. Informationen wurden den Bewerber/innen vom Unternehmen nicht mehr nur zur Verfügung gestellt, sondern man trat mit ihnen in einen Dialog und vernetzte sich. Das hat bis heute Bestand. Viele Unternehmen können es sich schlicht nicht mehr leisten, ein Stelleninserat nur zu veröffentlichen und auf passende Bewerbungen zu hoffen. Sie müssen gezielt Personalmarketing und Employer Branding betreiben und gerade für Expert/innenpositionen aktiv auf die Suche gehen. Spezialisierte Fachkräfte mit Berufserfahrung können z.B. in Diskussionsforen identifiziert und über Social Media-Kanäle relativ leicht angesprochen werden – auch wenn sie derzeit gar nicht an einen Jobwechsel denken. Doch gerade hier lauert auch die Gefahr: Eine gute Recherche und wertschätzende Kontaktaufnahme kostet viel Zeit. Recruiter/innen müssen in der Lage sein, sich je nach Zielgruppe über die richtigen Kanäle zu vernetzen.

Mitarbeiter/innengewinnung statt -auswahl

Wie wird nun das Recruiting in der Zukunft aussehen? Nun, die Personalauswahl wird viel eher zur Personalgewinnung, verlagert sich doch das Machtverhältnis von den Arbeitgebern zu den Arbeitnehmer/innen. Denn die Zahl der passenden Bewerber/innen bedingt durch den demographischen Wandel nicht in gleichem Maße zu. Wird es somit in der Zukunft – vereinfacht gesagt – mehr Jobs als geeignete Arbeitskräfte geben, versagen all die Recruitingmaßnahmen, die auf einen Angebotsmarkt abzielen. Deshalb müssen Unternehmen auch in Zukunft ihr Employer Branding weiterentwickeln zu einer Employee Value Proposition, in der definiert ist, was den Mitarbeiter/innen geboten und was im Gegenzug dafür erwartet wird. In der Employee Value Proposition ist alles festgehalten, was die Arbeitswelt eines Unternehmens aus Sicht potenzieller Mitarbeiter/innen ausmacht: die Vision, die Mission und die Werte des Unternehmens, die Gestaltung der Arbeitsplätze, Vergütungs- und Entwicklungsprogramme, Karrierechancen etc. Für das Recruiting – oder besser – die Mitarbeiter/innengewinnung bedeutet das also, dass sich die wichtigsten Inhalte dieser Employee Value Proposition auch in Karrierewebsites, Stellenanzeigen, Bewerber/innenmessen und Social Media-Auftritten widerspiegeln müssen. Es müssen Beziehungen gepflegt und Kontakte bearbeitet werden, nicht nur Bewerbungen. Werden die in der Employee Value Proposition festgehaltenen Leitlinien im Unternehmen dann wirklich gelebt, gelingt auch eine erfolgreiche Mitarbeiter/innenbindung

Bild: ZBP/Jürgen Pletterbauer

Georg Kubina

Georg Kubina

Georg Kubina arbeitet am ZBP im Bereich Karriereberatung & Student Relations.

More Posts

Von |2018-06-25T09:59:49+00:0012. April 2018|Bewerben|0 Kommentare

Über den Autor:

Georg Kubina
Georg Kubina arbeitet am ZBP im Bereich Karriereberatung & Student Relations.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

neunzehn − vierzehn =