Arbeit im Sozialwesen – Ein Gespräch mit Thomas Eminger

  • Thomas Eminger, Geschäftsführer von Ute Bock

Arbeit im Sozialwesen – Ein Gespräch mit Thomas Eminger

Schauplatz: Ute Bock-Haus im zehnten Bezirk. Von außen wirkt das Gebäude schlicht, ein typischer Gemeindebau aus den sechziger Jahren. Innen drinnen sprudelt das Leben. Hier wird das Essen geliefert, dort werden Kräuter in einem kleinen Vorgarten angepflanzt. Es ist ein geschäftiger Arbeitstag, noch vor dem Gespräch entschuldigt sich Thomas Eminger (Geschäftsführer Flüchtlingsprojekt Ute Bock). Er wird immer wieder zum Handy greifen müssen, um TAC-Freigabecodes weiterzuleiten. Die Flüchtlinge warten schließlich auf ihr Ticket bei den Öffis und oberstes Ziel ist, dass sie nicht schwarzfahren.

Herr Eminger, Sie waren stets im sozialen Bereich tätig. Warum?
Mein ursprünglicher Plan war nach dem WU-Studium drei bis fünf Jahre in den Sozialbereich zu gehen, um meine Soft Skills zu stärken. Ich war gespannt, wie man auf mich reagieren würde, wenn ich mit Begriffen wie „Deckungsbeiträge“ und „Auslassungskennziffern“ argumentiere. Es geht ja um Menschen, nicht um Zahlen. Schnell habe ich gemerkt, wie viel es mir bedeutet, direkt die Ergebnisse meiner Arbeit zu spüren – das erfährt man im Sozialbereich ungemein, wahrscheinlich mehr als in der Privatwirtschaft. Außerdem unterscheidet sich meine Arbeit in einer NPO auch nicht wirklich von dem, was man in einem Konzern tut. Es ist ein extrem breit gefächertes Aufgabenfeld.

Inwiefern breit gefächert?
Ich arbeite sehr generalistisch. Die Budgetverantwortung liegt bei mir, das Controlling, die Personalagenden, das Marketing bis hin zu rechtlichen Thematiken wie z.B. die Vertragsverhandlungen für unsere Mietwohnungen für die Flüchtlinge.

Wie viel haben Sie selbst mit Flüchtlingen zu tun?
Eher wenig, dafür sind primär unsere Berater/innen und Betreuer/innen zuständig. Aber wenn es sein muss, etwa bei kleinen Auseinandersetzungen, dann bin ich für die Deeskalation da und trete auch als Autorität auf.

Wie geht es ohne der Leitfigur Ute Bock weiter?
Ich hatte das Glück, Ute Bock bis zuletzt aktiv zu begleiten. Um ihren Spirit weiterleben zu lassen, haben wir die Aktion #wirsindutebock gestartet. Wir wollen so motivieren und ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen, das auch wirklich jede/r von uns lebt – in guten, wie in schwierigen Zeiten.

Was ist das Schönste in Ihrem Job?
Den Mehrwert meiner Arbeit unmittelbar erleben zu können. Dieses Gefühl des Erfolges möchte ich auch meinen Mitarbeiter/innen weitergeben. Wenn ich merke, dass der Funken übergesprungen ist, dann weiß ich, dass ich etwas bewegt und geschafft habe – für Klient/innen, Kund/innen, Mitarbeiter/innen, die Gesellschaft als Ganzes.

Brigitte Kuchenbecker vom ZBP Career Center im Gespräch mit Thomas EmingerWelchen Tipp geben Sie jungen Menschen, die in einer NPO starten möchten?
Es gibt viele unterschiedliche Träger in diesem Bereich, wie etwa die Volkshilfe, die Diakonie oder den Samariterbund – man sollte sich überlegen, in welche Richtung man beruflich gehen möchte. Außerdem möchte ich mit einem Vorurteil aufräumen: Früher hatte man immer das Gefühl, dass Jobs in NPOs schlecht bezahlt wären. Doch dem ist gar nicht so. Natürlich zahlen die Träger im Sozialbereich unterschiedlich, aber ich kann mich noch genau erinnern, wie positiv überrascht ich über die Einstiegsgehälter war.

Was ist das Erfolgsgeheimnis für den Berufseinstieg?
Erstens Engagement, Biss und Leidenschaft: wenn man einen bestimmten Job wirklich machen möchte, muss man sich schon reinhängen. Zweitens Offenheit: Man muss nicht gleich wissen, wo man sich später hin entwickeln will, ich wusste es zu Beginn auch nicht. Die Möglichkeiten mit einem WU-Studium sind extrem breit. Und drittens Authentizität: Man sollte immer nach den eigenen Interessen gehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Cochic Photography

 

 

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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Von |2018-07-17T12:56:56+00:0016. Juli 2018|Wohin|0 Kommentare

Über den Autor:

Brigitte Kuchenbecker
Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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