Von Binnen-I und Co

Vor rund zwei Jahren wurden wir von Sonja Lydtin, Stabstelle Gender und Diversity Policy der WU, zu einem Round Table zur gendergerechten Sprache an der WU eingeladen. Ziel sollte es sein, ein Bewusstsein für das Adressieren aller Geschlechter in der Sprache zu schaffen. Hierfür sollte Einblick in einen Leitfaden für gendergerechte Sprache gewährt werden – als Angebot zum bewussten und inklusiven Einsatz von Sprache.  

Bild: ©iStock/VladimirFLoyd

Bereits bei dem ersten Treffen mit rund 30 Beteiligten wurde viel diskutiert – es war deutlich spürbar, wie sehr das Thema polarisiert. Die eine Gruppe vertrat vehement die Ansicht, dass die dezidierte Ansprache aller Geschlechter verordnet gehört – wenn nötig auch unter Androhungen von Sanktionen. Die andere Gruppe war der ganz konträren Ansicht und kategorisierte Binnen-I und Co unter dem Attribut „Wer braucht denn das?!“. Die dritte, gemäßigte Gruppe, der im Übrigen auch wir angehörten, hielt sich in der Hitze des Gefechts zurück und nahm alle Statements interessiert auf.

Es ist doch so schwer lesbar…

Als Hauptargumente für die große Skepsis bzgl. der dezidierten Ansprache aller Geschlechter – und hier reden wir auch von Geschlechtsidentitäten, die nicht eindeutig den Kategorien „männlich“ und „Weiblich“ zugeordnet werden können – tönten „Es ist doch so schwer lesbar!“ oder „Es verunstaltet die Sprache!“. Martin Stegu, Professor am Institut für Romanische Sprachen der WU, meint: „Zugebenermaßen muss im Deutschen relativ viel verändert werden, um einen traditionellen Text in einen stilistisch ansprechenden genderfairen umzuwandeln. Aber auch wenn es in nächster Zeit nicht immer perfekt genderfair formulierte Texte geben wird, stellen erste Schritte eine positive Entwicklung dar.“

Sprache schafft Realität

Denn, wir dürfen eines nicht vergessen: Sprache prägt unser Denken und Handeln. Sprache konstruiert Wirklichkeit und kann damit Ungerechtigkeiten hervorbringen oder diese vermindern. Martin Stegu: „Natürlich kann das Binnen-I nicht direkt die soziale Stellung der Frauen verbessern, aber es handelt sich um den nicht unwesentlichen Teil eines Gesamtpakets, der durch andere nicht-sprachliche Maßnahmen ergänzt werden muss.“

Ein Denkanstoß…

Denn Sprache ist mächtig, sie formt schließlich Realität. Und auch wenn Sprache bisweilen polarisiert und die Gemüter erhitzt: Es macht einen Unterschied, ob man/frau/mensch (!) von einem Wissenschaftler oder einer Wissenschaftlerin spricht. Machen wir doch ein Experiment: Denken Sie an den Satz „Bereits 1840 schrieben Mathematiker erste Computerprogramme“? Haben Sie ein Bild im Kopf? In Wahrheit handelt es sich hier um die Mathematikerin Lady Ada Lovelace. Vielleicht ein Denkanstoß, der in eine Richtung weisen kann…

Fair und inklusiv in Sprache und Bild

Mittlerweile ist der Leitfaden „Fair und inklusiv in Sprache und Bild – ein Leitfaden für die WU“ erschienen und liegt bei uns im WU ZBP Career Center auf. Er bietet eine unkomplizierte Hilfestellung zur geschlechtergerechten Formulierung in Wort, Schrift und Bild. Sonja Lydtin: „Mit dem Guide wollen wir Lust machen, Sprache fair und kreativ zu nutzen – ohne erhobenen Zeigefinger und mit Humor.“ Der Guide ist auch online auf wu.ac.at/presse/publikationen verfügbar.

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Als WU-Absolventin sind die Bande zum Career Center eigentlich schnell erklärt. Eigentlich. Denn bevor Brigitte Kuchenbecker Mitte 2011 endgültig zum ZBP Team kam, war sie langjährig beim Alumnidachverband der BOKU tätig und in ständigem Kontakt und Austausch mit dem ZBP. Während des Studiums sammelte die gebürtige Wienerin und nun Wahl-Niederösterreicherin Erfahrungen in einer PR- sowie in einer Beratungsagentur. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre vertiefte sie ihre Spezialkenntnisse des Personalmanagements am bereits erwähnten Alumnidachverband der BOKU und in einem Executive Search Unternehmen. Im ZBP vereint sie nun ihr gesammeltes Wissen und agiert als Informations-Schnittstelle zwischen Career Center, Universität, Studierenden und Absolvent/inn/en sowie Unternehmen und Presse. Neben den Web 2.0 Aktivitäten sind die Chefredaktion des Karrieremagazins und die Projektleitung der Messezeitung der Career Calling wesentliche Aufgaben.

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