Wirklich in die Chefetage?!

Was verbinden Sie mit dem Begriff Management? Ein hohes Einkommen? Die Freiheit, eigene Pläne und Maßnahmen zu verwirklichen? Strategieentscheidungen? Ja, das kommt wahrscheinlich hin. Aber irgendwie ist Management doch viel mehr als das. Schlagworte wie Verantwortung, das Durchsetzen von unliebsamen Entscheidungen und die „Einsamkeit an der Spitze“ tauchen auch auf, oder?

Bild: ©iStock/ISpiyaphong

Was ist Management?

Um für sich zu beantworten, ob man eine Aufgabe im Management wirklich anstrebt, sollte man sich zuerst mit dem Begriff auseinandersetzen. Alleine die Suche bei Google liefert knapp 2,5 Milliarden Ergebnisse. Man liest, dass sich der Begriff vom englischen Wort „to manage“ ableitet, was so viel wie „etwas bewältigen oder fertigbringen“ bedeutet. Wirft man einen Blick in die Fachliteratur wird das Bild vertieft. Das WU-Lehrbuch „Personalmanagement – Führung – Organisation“ versteht Management als Steuerungstool: Es geht darum, komplexe Sachverhalte systematisch zu bearbeiten und Strategien für eine Lösung zu entwickeln.

Inwiefern hängt Management mit Führung zusammen?

Soweit, so gut. Aber welche Rolle nimmt nun die Führung in einer Managementposition ein? Schließlich wird die oberste Hierarchieebene eines Unternehmens wohl nicht zufällig als „das Management“ bezeichnet, oder? Kann man managen ohne zu führen? Wir haben an der WU nachgefragt.

Renate Meyer, Leiterin des Forschungsinstituts für Urban Management und Governance der WU, erklärt: „Zumeist wird differenziert, indem Aufgaben gemanagt und Personen geführt werden. Wahrscheinlich kann man aber nicht effektiv managen ohne in gewisser Weise auch zu führen.“ Auch Wolfgang Mayrhofer, Vorstand des Departments Management der WU, sieht die Führungsaufgabe ganz klar als wesentlichen Bestandteil einer Managementposition. Er betont: „Eine Position im Management, ohne dass andere Personen geführt werden, ist der Definition nach undenkbar. Dabei kommt es aber nicht auf das Ausmaß der tatsächlichen Führungsaufgabe an. Diese kann von einem wirklich geringen Anteil bis hin zu hierarchischen Top-Positionen gestaltet sein.“

Wo wird gemanagt?

Management passiert in einem Unternehmen also auf den unterschiedlichsten Hierarchieebenen – nicht nur, wie häufig vermutet, rein an der Unternehmensspitze. Wolfgang Mayrhofer: „Ich sehe keinen Unterschied, ob ich in einer Steuerberatungskanzlei bin und eine kleine Arbeitsgruppe führe, zehn Arbeiter/innen in der Fertigung manage oder als Geschäftsführer/in ein Unternehmen steuere. Von den grundsätzlichen Aufgaben her ist es sehr ähnlich.“

Unterschieden wird allerdings in dem Ziel und der Ausprägung der Managementaufgabe. Strategisches Management beschäftigt sich mit einer eher langfristigen Perspektive, operatives Management verfolgt einen tendenziell kurzfristigen Rahmen. Wolfgang Mayrhofer erklärt: „Im strategischen Management geht es immer um das große Bild, um eine längerfristige Entwicklung und das systematische Miteinbeziehen von derzeitigen und künftigen Umfeldentwicklungen. Im operativen Bereich geht es vielmehr darum, wie ich konkrete Maßnahmen innerhalb des strategischen Rahmens tatsächlich umsetzen kann.“

Welche Kompetenzen fordert das Management?

Welche Fähigkeiten benötigt man nun, wenn man in einer Managementposition erfolgreich Fuß fassen möchte? Wolfgang Mayrhofer weist neben den fachlichen Kompetenzen insbesondere auf die Bedeutung von sozialen Kompetenzen hin: „Wir unterscheiden zwischen Sozial- und Systemkompetenzen. Sozialkompetenzen kommen vor allem im Face-to-Face-Kontakt, also in individuellen Gesprächen oder Gruppensituationen, zum Tragen. Systemkompetenzen schließen das größere Ganze, in der Regel die Organisation oder das Unternehmen, mit ein“.

Laut Wolfgang Mayrhofer sind notwendige Management-Skills im Übrigen trainierbar: „Management ist ein Handwerk und ein Handwerk kann man lernen.“ Studierende, die eine Karriere im Management anstreben, sind also gut beraten, ihre Sozial- und Systemkompetenzen gleich an der Uni zu trainieren. „Ich erlebe es immer wieder, dass Personen in Managementpositionen regelrecht hineingeworfen werden. Sie haben keine Ahnung von Personalführung und wundern sich dann, dass viele Sachen nicht funktionieren. Das wäre so, wie wenn ich sage: Jetzt leime ich den Tisch zusammen, weiß aber nicht, welchen Leim ich nehmen soll. Dann darf ich mich nicht wundern, wenn der Tisch auseinanderfällt.“

Welche Herausforderungen tauchen im Management auf?

Eine fundierte Ausbildung macht auch schon insofern Sinn, als auf angehende Manager/innen einiges an Herausforderungen zukommen wird. „Im Management muss man sich auf Irrationalitäten einstellen. Oft setzt sich die beste fachliche Lösung nicht durch, schlicht weil Machtfragen oder Eitelkeit eine Rolle spielen.“, so Wolfgang Mayrhofer.

Warum das so ist? Weil Management mit Menschen zu tun hat. „Im Management spielen viele soziale Aspekte eine Rolle, die man einfach nicht berechnen oder vorhersehen kann – und diese verschmutzen objektive Ergebnisse. Menschen sind eben keine trivialen Maschinen, sondern haben eine Eigenlogik“.

Wirklich Management?

Die Frage, ob eine Aufgabe im Management für Sie in Betracht kommt, müssen Sie sich selbst beantworten. Fassen wir aber die Eckpunkte noch einmal zusammen: Im Management geht es um Strategien, um Entscheidungsspielraum, um Einfluss und mitunter um ein hohes Einkommen. Aber vielmehr als das: Es geht um Koordination, Planung, Weitblick, Belastbarkeit und jede Menge Verantwortung – gegenüber der Aufgabe, dem Unternehmen oder den Mitarbeiter/innen. Renate Meyer gibt noch einen wesentlichen Punkt zu bedenken: „Im Management geht es nicht nur darum, super spannende Entscheidungen zu treffen. Auch im Management gibt es Routinen. Alle, die sich für den Tätigkeitsbereich interessieren, sollten sich dessen bewusst sein.“

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Als WU-Absolventin sind die Bande zum Career Center eigentlich schnell erklärt. Eigentlich. Denn bevor Brigitte Kuchenbecker Mitte 2011 endgültig zum ZBP Team kam, war sie langjährig beim Alumnidachverband der BOKU tätig und in ständigem Kontakt und Austausch mit dem ZBP. Während des Studiums sammelte die gebürtige Wienerin und nun Wahl-Niederösterreicherin Erfahrungen in einer PR- sowie in einer Beratungsagentur. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre vertiefte sie ihre Spezialkenntnisse des Personalmanagements am bereits erwähnten Alumnidachverband der BOKU und in einem Executive Search Unternehmen. Im ZBP vereint sie nun ihr gesammeltes Wissen und agiert als Informations-Schnittstelle zwischen Career Center, Universität, Studierenden und Absolvent/inn/en sowie Unternehmen und Presse. Neben den Web 2.0 Aktivitäten sind die Chefredaktion des Karrieremagazins und die Projektleitung der Messezeitung der Career Calling wesentliche Aufgaben.

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