Wo man gerne arbeitet, arbeitet man gut – Wohlfühlen im Büro

  • Das Bild zeigt ein modernes Büro im Open Office Stil

Wo man gerne arbeitet, arbeitet man gut – Wohlfühlen im Büro

Stell dir vor: ein leises Gespräch im Nebenzimmer, der Geruch von Holz, ein bunter Blumenstrauß auf dem Tisch und ein Luftzug durch das offene Fenster. Hast du ein Bild? Oder eine andere Szene: der neueste Hit im Radio, ein unbequemer Bürosessel, der/die verschwitzte Kolleg/in am Nebentisch und eine weiße Wand hinter dem Computer. Merkst du den Unterschied? „Unser Verhalten ist mehr durch den Kontext beeinflusst, als man meinen möchte“, so Johannes Steyrer, stellvertretender Leiter der Interdisziplinären Abteilung für Verhaltenswissenschaftlich orientiertes Management.

Farben, Geräusche, Düfte, Mahlzeiten oder die Temperatur wirken auf unsere Stimmung und Leistung. „Der Einfluss des Kontextes reicht sogar so weit, dass Menschen die Gehgeschwindigkeit reduzieren, wenn sie zuvor Begriffe wie ‚alt‘ oder ‚grau‘ gehört haben“. Ein Wissen, das man nützen kann. Schließlich kann man durch die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes wesentlich zum eigenen Wohlbefinden beitragen. Und oft kann schon mit ein paar kleinen Veränderungen in Farbe, Ernährung oder Pausenverhalten eine ganz neue und inspirierende Atmosphäre geschaffen werden. Denn wo man gerne arbeitet, arbeitet man bekanntlich auch gut. Das bestätigt auch eine jüngst veröffentlichte Studie des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), die aufzeigt, dass die Produktivitätsrate in deutschen Büros durch Verbesserungen im Arbeitsumfeld um 36 Prozent gesteigert werden könnte.

Fühlen

Zuerst ist es zu heiß, dann ist es zu kalt – wer redet nicht gerne übers Wetter? Ein Indiz dafür, wie stark die Temperatur unser Wohlbefinden beeinflusst. „Das Temperaturempfinden ist subjektiv, abhängig von Konstitution, Geschlecht, Gewicht, Stoffwechsel etc.“, erklärt Doktor Alois Rathmayr, Betriebsarzt der WU. Dem einen wird schneller kalt, der anderen schneller warm. Dennoch gibt es Richtwerte für ein angenehmes Raumklima, bei sitzender Tätigkeit sind das laut Arbeitsstättenverordnung Temperaturen zwischen 19 und 25 Grad. „Untersuchungen zeigen, dass der Mensch bei etwa 20 Grad zu 100 Prozent leistungsfähig ist, bei 28 Grad sinkt die Leistungsfähigkeit auf 70 Prozent und bei 33 Grad auf gar 50 Prozent“, so Rathmayr.

Tipps
›› Trage Kleidung in mehreren Lagen, um bei Bedarf Kleidungsstücke an- oder ausziehen zu können.
›› Achte auf warme Füße.
›› Wenn dir kalt ist, dann trink  eine Tasse Tee – er wärmt von innen.

Hören

Der/die Kolleg/in führt ein Kundentelefonat, der Fotokopierer druckt seit fünf Minuten eine Präsentation und die Belüftung surrt unentwegt. Geräusche am Arbeitsplatz können die Leistungsfähigkeit – aber vor allem auch die Leistungsbereitschaft – stark einschränken. „Ein ständig erhöhter Schallpegel im Büro ist ein nicht zu unterschätzender Auslöser von Stress“, so Rathmayr. 65 dB (A) gelten laut Gesetz als maximaler Lärmpegel an Arbeitsplätzen, an denen „überwiegend geistige Tätigkeiten“ verrichtet werden. Eine Geräuschkulisse, die im Büroalltag nur schwer zu verwirklichen scheint, wie auch die „Lärmfibel“ der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) zeigt: „Wenn mehrere Personen in einem Raum zusammenarbeiten, muss man versuchen, den Lärmpegel zu senken, um konzentriertes Arbeiten gewährleisten zu können“, betont Rathmayr.

Tipps
›› Wenn du viel telefonieren musst, empfiehlt sich die Verwendung eines Headsets. Dieses bewirkt, dass man leiser spricht.
›› Stell genügend Pflanzen im Büro auf, sie dämpfen Geräusche.
›› Drucker, Kopierer oder Scanner sollten möglichst nicht im Arbeitszimmer, sondern in einem separaten Raum stehen. So ist neben vermindertem Lärm und verminderter Wärmeausstrahlung auch ein regelmäßiges Aufstehen gewährleistet.

Sehen

„Den Überblick bewahren“, „über den Tellerrand schauen“, „Blicke und Gedanken schweifen lassen“ – wie präsent Sehen für unser Mindset und unsere Arbeitsweise ist, spiegelt sich in vielen Metaphern wider. Was wir sehen, beeinflusst stark das subjektive Wohlbefinden. So ist es auch laut § 25 AStV verboten, jemanden in einem Raum ohne Fenster arbeiten zu lassen. „Im Idealfall ist der Arbeitsplatz fensterparallel, um Blendungen und Reflexionen zu vermeiden. Nach Möglichkeit sollte auch die Tür im Blickfeld sein, das fördert das Wohlbefinden, da man instinktiv aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus Fluchtwege beobachtet“, erklärt Rathmayr.

Farben wirken auf Stimmung und Gemüt. „Oft sind auch kleinere Farbakzente in der Raumgestaltung sehr effektiv, um Psyche und Leistungsfähigkeit positiv zu unterstützen“, so Susanne Voggenberger (Fashionstylistin). Ob Wandfarbe, Bild oder Blume – um die richtige Farbauswahl zu treffen, sollte man sich im Vorfeld darüber klar werden, welchen Effekt man erzielen möchte.

Tipps
›› Blau: Wenn du viel reden oder telefonieren musst, ist Blau die richtige Farbe. Hier kann mithilfe eines Bildes, Dekogegenstandes oder Kleidungsstücks eine positive Wirkung für Stimme und Gemüt erzielt werden. Blau beruhigt, macht friedlich und kühlt erhitzte Gemüter ab.
›› Orange: Musst du dein Leistungspotenzial immer wieder neu aktivieren, so hilft Orange – dezent durch frische Blumen oder durch eine Wandgestaltung.
›› Grün: Ein Bild in Grün entschleunigt und ist Urlaub für die Augen, speziell bei häufiger Computerarbeit. Ein grüner Teppich oder Grünpflanzen wirken beruhigend und harmonisch auf das Raumklima.
›› Rot: Auf Rot sollte man im Büro eher verzichten, weil es auf Dauer eine zu starke Farbe ist.

Schmecken

Das Bild zeigt ein Sandwich und eine Tasse Kaffee im Hintergrund

„Ein voller Bauch studiert nicht gern“ – dieser Slogan kann leicht auf den Arbeitsalltag umgelegt werden. Denn wer kennt nicht das „Suppentief“, also die Zeit nach einem üppigen Mittagessen, in der man sich nur schwer zu Leistung motivieren kann und häufig nur träge vor dem PC sitzt? Dann schickt unser Körper all seine Energie in den Verdauungsapparat – und Energie für konzentriertes Arbeiten wird eingespart. Umso wichtiger ist es, auf eine gesunde und leichte Ernährung im Büro zu achten, die noch dazu schmeckt. „Das Essen am Arbeitsplatz sollte vielfältig sein, mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Nahrung. Regelmäßig Obst und Gemüse mit ein paar Nüssen zwischendurch liefert ausreichend Vitamine und Mineralstoffe sowie gesunde Fette“, so Karl-Heinz Wagner, stellvertretender Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien. „Vermieden werden sollten Snacks, fette Wurst und regelmäßig Süßes.“ Auch wann man isst, sollte bewusst gewählt werden. „Die Volksweisheit ‚Frühstücken wie ein Kaiser, Mittag essen wie ein König und Abend essen wie ein Bettelmann‘ hat durchaus ihre Richtigkeit“, so Rathmayr. „Im Idealfall kommt man bereits mit einer warmen Mahlzeit im Magen ins Büro. Grundsätzlich ist auf regelmäßiges Essen und Trinken zu achten; zu bevorzugen sind dabei kleine Portionen. Wichtig ist, das Essen nicht (permanent) neben der Arbeit zu erledigen.
Hier besteht die Gefahr des ‚Snackings‘, das heißt, man verbindet die Nahrung nicht mehr bewusst mit Energiezufuhr, sondern isst nebenbei“, erklärt Wagner.

Tipps
›› Trinke ausreichend – wie nicht gesüßte Tees bzw. Mineralwasser mit oder ohne Geschmack anstatt Limonaden oder Säften.
›› Achte  darauf, nicht permanent während der Arbeit zu essen. Man verfällt sehr leicht ins „Snacking“.
›› Vermeide  zu viel Süßes und sehr fettige Speisen.

Riechen

Kennst du das? Ein Geruch steigt uns in die Nase und weckt Erinnerungen. Innerhalb von Sekunden werden wir in Emotionen und Stimmungslagen aus der Vergangenheit versetzt. Nicht umsonst sagt der Volksmund: „Das kann ich nicht riechen.“ Auch im Büro sind wir mit den unterschiedlichsten Gerüchen konfrontiert: die brennende Aromakerze einer Kollegin, das neue Parfum eines Kollegen oder die warme Leberkässemmel in der Mittagspause. Aber des einen Freud ist oft des anderen Leid. Denn welche Gerüche als angenehm erlebt werden, ist höchst subjektiv. „Der eine mag blumige Gerüche, die andere eher
Aromen und wieder ein anderer zieht ländliche Düfte vor“, so Gerhard Buchbauer, Vorstand des Department of Clinical Pharmacy and Diagnostics der Universität Wien. „Generell lässt sich sagen, dass in unserem Kulturkreis Blumen-, Wiesen- und Walddüfte oder auch der Geruch von Früchten tendenziell bevorzugt werden. Körperausdünstungen oder der Geruch von verdorbenen Lebensmitteln werden in der Regel abgelehnt.“ Und auch die Intensität von Düften wird unterschiedlich wahrgenommen, weil der Geruchssinn nicht bei jedem/ jeder gleich stark ausgeprägt ist: „Der/die eine riecht gut, der/die andere schlecht. Ein Geruch kann bei jemandem bereits zu physiologischen oder psychischen Beeinflussungen wie Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwäche führen, wenn er von dem/der anderen gerade als sehr angenehm empfunden wird“, erklärt Buchbauer. „Wichtig ist, seinem subjektiven Empfinden nachzugeben. Wenn man in einem Raum ist, der für einen persönlich unangenehm riecht, sollte man das Fenster öffnen und so für Frischluft sorgen.“

Tipp
›› Körpergeruch ist ein sehr persönliches, mit Scham besetztes Thema und es empfiehlt sich ein dezentes, direktes Ansprechen mit einer Ich-Botschaft: „Bitte entschuldige, wenn ich dich darauf anspreche: Ich kenne das auch von mir, wenn es heiß ist, dann schwitze ich sehr leicht. Du tust das natürlich auch. Du solltest meiner Meinung nach etwas dagegen tun.“

Und zum Abschluß: Pausen machen

Kaffeetasse

„Treffen wir uns auf einen Kaffee?“ Pausen mit Kolleg/innen versüßen unseren Büroalltag. „Die gemeinsame Tee-/Kaffeeküche ist in den meisten Betrieben die Kommunikationszentrale der Abteilungen. Und das Gute ist, dass Kaffee, in Maßen genossen (bis zu vier Tassen täglich), keinerlei negative Effekte hat“, so Karl-Heinz Wagner. Neben dem informellen Erfahrungsaustausch sind Pausen auch für die Leistungsfähigkeit absolut essenziell. „Leistungsphysiologisch ist es gut, alle 90 Minuten eine Mikropause von einigen Minuten einzulegen. Das entspricht unserem Biorhythmus und unseren Leistungskurven. Mit mehreren kleinen Pausen und einer großen um die Mittagszeit kann man den ganzen Tag über leistungsfähig bleiben“, so Alois Rathmayr. Wie man diese Pause nützt, bleibt jedem selbst überlassen. „Wesentlich ist nur: weg vom Bildschirm“, betont Rathmayr. Ein kurzer Spaziergang zum nächsten Restaurant in der Mittagszeit, ein knackiger Salat in der Gemeinschaftsküche, ein belegtes Brot vom Bäcker. Hauptsache, man lässt die Gedanken schweifen. In diesem Sinne: Have a break!


Fotos: Annie Spratt, Shridhar Gupta, Calum Lewis / Unsplash

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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Von |2018-11-15T17:12:03+00:0015. November 2018|Im Job|0 Kommentare

Über den Autor:

Brigitte Kuchenbecker
Brigitte arbeitet seit sechs Jahre für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin von UP! beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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