You can say you to me

  • Das Foto zeigt eine kleine Schultafel auf die jemand die Buchstaben HELLO legt.

You can say you to me

Andere Länder, andere Sitten. Wer schon für längere Zeit im Ausland war, der kann ein Lied davon singen. Für diese Einsicht ist es nicht einmal zwingend notwendig, in die Ferne zu schweifen. Bei H&M und IKEA duzen sich alle Mitarbeiter/innen ganz im skandinavischen Stil. Ebenso schwappt die Du-Kultur der Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley in den deutschsprachigen Raum über. Volkswagens Chief Digital Officer Johann Jungwirth, ehemals für Daimler und dann bei Apple im Silicon Valley tätig, lässt sich von Mitarbeiter/innen gerne mit J.J. ansprechen. Und zur Gründerszene mit flachen Hierarchien und kollegialen Freundschaften passt die authentische Duz-Kultur auch bestens.

Ansprache im Wandel

Seit einiger Zeit beobachten wir den Trend, dass auch bei der Personalgewinnung das Du zum Thema wird. Gerade Stellenanzeigen dienen den Unternehmen zur Imagebildung, indem Bewerber/innen Aussagen über die Firmenkultur mittransportiert werden. Das Du steht gleichsam für ein cooles, junges, dynamisches und teamorientiertes Unternehmen, mit flachen Hierarchien und flexiblen Arbeitsformen. Laut Joblift Deutschland wurden im letzten Jahr 36 Prozent mehr Stellenanzeigen mit der Du-Ansprache geschalten als noch 2016. Und jedes dritte so persönlich formulierte Inserat richtet sich an Akademiker/innen.

Duzen oder siezen?

Aber wie reagiere ich als Bewerber/in darauf? Geflissentlich übersehen oder konsequent zurückduzen? Mein Tipp erfordert neben Rechercheaufwand auch Fingerspitzen- und vor allem Bauchgefühl:
Zieht sich das Du über die Website, den Social Media-Auftritt und alle anderen Stellenausschreibungen, und passt es zum Unternehmensauftritt, zur Unternehmensgröße und der Branche, dann duze ich.
Zeigt meine Recherche allerdings, dass ein eher konservatives Unternehmen das Du nur gewählt hat, um sich hipp bei Studienabsolvent/innen zu präsentieren, es aber auf Website und in sonstigen Medien beim Sie bleibt, dann ist die traditionelle Ansprache angebracht.
Und wenn ich mich mit dem Du gegenüber der unbekannten Ansprechperson absolut unwohl fühle, bleibe ich bei der Höflichkeitsform mit einem Hinweis, schon gespannt darauf zu sein, im Gespräch mehr über die Unternehmenskultur zu erfahren. Das zeigt, dass ich mir Gedanken über die Ausschreibung und den Job gemacht habe.

Welche Ansprache verwenden WU Studierende bei ihren Bewerbungsschreiben? Und wie halten sie es im Job? Wir haben uns umgehört.

Das Bild zeigt Denise Sikule, eine Studentin der WU Wien.

Denise (21) studiert BWL
Ich sieze beim Bewerbungsschreiben, auch wenn die Stellenausschreibung in der Du-Form formuliert ist. Für mich ist das eine Respektsache, weil ich es wahrscheinlich mit älteren Personen zu tun habe. Dadurch, dass ich sie noch nicht kenne, bleibe ich beim Sie. Im Job sieze ich immer, bis mir das Du angeboten wird. Aber es stört mich nicht, wenn jemand Du zu mir sagt.

Das Foto zeigt Max Lassman, Student der WU Wien

Max (23) studiert Wirtschaftsrecht
Ich würde die Ansprache davon abhängig machen, wo ich mich bewerbe. Wenn es sich um einen Promotion-Job mit vielen jungen Leuten handelt, wäre ich eher per Du. Wobei das erste E-Mail würde ich auf jeden Fall per Sie schreiben. Im neuen Job merkt man dann eh gleich, wie das Hierarchieverhältnis ist. Tendenziell würde ich eher per Sie sein, vor allem bei Älteren und warten, ob man mir das Du-Wort anbietet. Ich denke, man muss darauf aufpassen, dass beim Duzen ein gesunder Respektabstand zu den Vorgesetzten bleibt. Ich arbeite neben dem Studium in einer Rechtsanwaltskanzlei, dort bin ich mit meinen Chefs auch per Sie und trotzdem ist das Verhältnis sehr gut und persönlich. Damit will ich nur unterstreichen, dass „siezen“, obwohl es oft so dargestellt wird, nicht automatisch unpersönlich ist, im konkreten Fall halte ich es sogar für angebracht.

Das Foto zeigt David Babic, Student der WU Wien.

David (21) studiert Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Über Jobausschreibungen in Du-Form bin ich eigentlich immer sehr froh, dann weiß ich, dass sie mich auch persönlich als Person schätzen und ich auch so empfangen werde. Trotzdem verwende ich im Bewerbungsschreiben die Sie-Form. Selbst bei IKEA. Im Unternehmen wäre ich mit den Kolleg/innen gerne per Du. Ich würde jedoch immer ein wenig Zeit brauchen, um mich daran zu gewöhnen die Chefin oder den Chef per Du anzusprechen, wie jetzt gerade in meinem Unternehmen.

Tipp: Wenn du Fragen zu deiner Bewerbung hast, komm doch in unserer Sprechstunde vorbei.

Georg Kubina

Georg Kubina

Georg Kubina arbeitet am ZBP im Bereich Karriereberatung & Student Relations.

More Posts

Von | 2018-06-27T16:39:15+00:00 27. Juni 2018|Allgemein, Bewerben|0 Kommentare

Über den Autor:

Georg Kubina
Georg Kubina arbeitet am ZBP im Bereich Karriereberatung & Student Relations.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

5 − 2 =