Bild: © maria-badasian/unsplash

Der Vorstand eines großen Bauunternehmens hat einmal in einem Interview zu mir gesagt: „Wer am Morgen nicht gerne zur Arbeit geht, der ist gestraft und zerstört sein Leben.“ Harte Worte. Sehr harte Worte. Und ich überlege heute noch, ob ich der Aussage zustimme. Denn: Müssen wir wirklich unbedingt unseren Traumjob finden, um so richtig glücklich zu sein?

New Work und „passion principle“

Einerseits natürlich ja. Wir verbringen viel Zeit in der Arbeit: Bei einem 9-Stunden-Arbeitstag sitzen wir über ein Drittel des Tages im Büro, ein weiteres verschlafen wir – da ist es natürlich ideal, wenn uns die Tätigkeit Spaß macht. Genau dieses Prinzip wird z.B. in New-Work-Konzepten verfolgt. Hier geht es um selbstbestimmtes Arbeiten, flache Hierarchien, einfache Kommunikation und sinnstiftende, zukunftsweisende Arbeit. Für viele ein gutes Rezept zum Glücklichsein.

Das viel zitierte „passion principle“ – das enthusiastische Verfolgen der eigenen Leidenschaften – geht in dieselbe Richtung. Steve Jobs gilt als „Hauptvertreter“ dieser Arbeits- und Lebensweise. Aber es passt eigentlich zu allen großen Visionär/innen, die ihre Träume wahr machten. Man denke nur an einen Pionier aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Walt Disney sagte einmal: „If you can dream it, you can do it.“ Die Ergebnisse, von Mickey Mouse bis zur Eisprinzessin, kennen und lieben wir alle.

Also ein erstes Fazit: Es ist toll, wenn wir unseren Leidenschaften mit Spaß und Leichtigkeit nachgehen können – auch und gerade im Job. Das macht die Arbeit lebendig und sinnhaft und lässt die Zeit nur so verfliegen. Die ganze Start-up-Kultur lebt von diesem Spirit. Und um noch einmal in die Theorie zu wechseln: Auch in der Maslow’schen Bedürfnispyramide wird die Selbstverwirklichung, die unter anderem aus dem Leben der eigenen Träume besteht, als eine der grundlegenden Motivationen unseres Handelns genannt.

FOMO und YOLO

Aber müssen wir zwangsläufig unseren Traumjob finden, um glücklich zu sein? Ist das überhaupt realistisch? Oder hetzt man dann nur dem vermeintlich Perfekten hinterher?

Modephrasen wie FOMO („fear of missing out“) und YOLO („you only live once“) stehen für den Druck, das perfekte Leben zu führen. Der Anspruch ist hoch, außergewöhnlich glücklich zu werden und seine Träume zu verwirklichen. Und hat man einen Traum wahr gemacht, kommt auch schon der nächste nach. Plattformen wie Tinder zeigen uns, wie leicht man Alternativen finden könnte – so hört die Suche eigentlich nie auf. Auch Instagram suggeriert uns Hochglanzheldenstorys, an denen wir uns messen. Alles glänzt, alles funkelt, alles ist hip, neu, anders und besonders. Ob das einem Realitätscheck standhält?

Denn Fakt ist doch: Es gibt immer Ecken und Kanten. Der Job, in dem wirklich nie, nie, nie Ups and Downs auszuhalten sind, muss erst erfunden werden. So wie in Beziehungen: Selbst der Traummann oder die Traumfrau wird Eigenheiten haben, auf die man gut verzichten könnte. Wo ein Yin, da auch ein Yang. Oder am Beispiel Hobbys: Manchmal kann man gar nicht genug davon kriegen. Und dann kommt eine Phase, in der man lieber einfach „Game of Thrones“ streamen will.

Also, gibt es den Job überhaupt, der „alle Stückerln spielt“? Sehr wahrscheinlich nicht, so realistisch muss man sein. Eine gewisse Frustrationstoleranz gehört einfach zum Leben dazu.

Doch das Gute ist: Man kann die nicht so tollen Zeiten auf ein Minimum reduzieren. Die Formel dafür ist simpel: den Job wählen, der wirklich zu einem passt. Mit all seinen Zutaten.

Das perfekte Job-Matching

Wie könnte so ein Job aussehen? Zahlreiche Studien erheben, was wir von unserer Arbeit wollen – und was nicht. Auffallend ist zum Beispiel, dass „beruflicher Aufstieg“ und „Karriere“ für viele nicht so wichtig sind. Das bescheinigen etwa die EY-Absolventenstudie und der Universum Student Survey 2018. Dafür ist unser Anspruch an Sicherheit im Job hoch. Wertschätzung und interessante Aufgaben zählen laut Graduate-Barometer von Trendence zu den für das Jobglück entscheidenden Faktoren. Und die ViCaPP-Studie des ivm der WU hat 2010 erhoben, dass persönliche und fachliche Weiterentwicklung essenziell sind.

Doch von den Studien zurück in die Praxis: Welche Zutaten hat dein Rezept für den Traumjob? Liebst du das Rampenlicht – oder die Stille? Zahlen – oder Worte? Oder beides? Probieren geht über Studieren. Um herauszufinden, wo du ganz von selbst in den Flow kommst, hilft die Erfahrung. Praktika, Teilzeitarbeit neben dem Studium oder Nebenjobs zeigen dir schnell, was dir richtig Spaß macht.

Aber auch das Nachdenken darüber, was dich glücklich macht, hilft dir, dein perfektes Job-Matching zu finden. Da wären zuerst die Arbeitsinhalte: Wie bekomme ich die Chance, das, was ich gut kann, auch zu tun? Dann die Rahmenbedingungen: Welche Arbeitszeiten, Arbeitsorte, Reisen, Gehaltssysteme passen für mich? Und das Team: Wie wichtig ist mir, dass meine Vorgesetzten oder meine Kolleg/innen immer greifbar sind?


Extrabox: Traumjob-Check

Skills-Check: Wenn du die fachlichen und persönlichen Qualifikationen hast, die ein Job erfordert, und sie dir auch Spaß machen.

Love-Check: Wenn es sich um ein Unternehmen oder eine Aufgabe handelt, die für dich positiv besetzt ist.

Values-Check: Wenn du hinter der Tätigkeit einen Sinn, ein „großes Ganzes“, siehst und weißt, was dein Beitrag dazu ist.

Team-Check: Wenn du mit deinen Kolleg/innen auf einer Wellenlänge bist und mit Vorgesetzten ein gutes Verhältnis hast.

Conditions-Check: Wenn dir das Büro gefällt, die Arbeitszeiten liegen und das Gehalt stimmt.

Safety-Check: Wenn du die Sicherheit bekommst, die du brauchst.


Der „Ich habe Spaß“-Job

Wenn in deinem Job die „Ich bin im Flow“-Tage die „Es freut mich nicht“-Zeiten deutlich überwiegen, hast du deinen Traumjob wohl gefunden. Oder du bist schon sehr nah dran. Auch wenn es Situationen geben wird, die dich nerven und überfordern. Achtsamkeitsguru Jon Kabat-Zinn spricht mit einem Augenzwinkern von der „ganzen Katastrophe des Lebens“. Was er damit meint, ist, dass zu einem erfüllten und glücklichen Leben auch Situationen gehören, die mühsam sind. Denn an ihnen wachsen wir. Und auch sie gehören zu einem Traumjob.

Das Schöne ist, dass wir gerade mit einem WU Studium so viele Chancen haben, die nur darauf warten, ergriffen zu werden. Bist du also tatsächlich in einem Job, der dir gar nicht entspricht und dich nur anstrengt, dann kann die Suche nach deinem „Ich habe Spaß“-Job ja weitergehen. Denn deinen Träumen sind keine Grenzen gesetzt. Und Möglichkeiten gibt es viele …

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte Kuchenbecker

Brigitte arbeitet seit acht Jahren für das ZBP. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und die Personalarbeit – umso besser, dass sie als Chefredakteurin des Karrieremagazins und Autorin des Blogs beide Interessen vereinen kann. In ihrer Freizeit findet man sie in der Natur: beim Wandern, Klettern oder Garteln.

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